GuV, Bilanz & Cash Flow, oder das Trio der Magie

Folge 07:

GuV, Bilanz & Cash Flow, oder das ​magische Business Dreieck

Was meinst Du, ist es wohl möglich, dass Du einen Gewinn von 50.000 Euro in Deiner BWA ausweist, aber kein Geld hast, um Deine Rechnungen zu bezahlen?

Oder von mir aus auch anders rum.

Kannst Du Dir vorstellen, dass es möglich ist 100.000 Euro auf einem Konto liegen zu haben, aber gleichzeitig 50.000 Euro Verlust erwirtschaftet zu haben?

Klingt strange?

Damit Du diese vielleicht sonderbar wirkenden Fälle für Dein Business so richtig gut einschätzen kannst, stelle ich Dir heute in dieser 7. Folge mein ​magische Business Dreieck vor.

Das ​magische Business Dreieck, klingt ein bisschen mystisch, ein bisschen geheimnisvoll.

Am Ende sind es 3 Instrumente und manche sagen auch, Rechenwerke, die Du als Unternehmer aber wirklich unbedingt draufhaben solltest.

Ich möchte Dir diese 3 Instrumente heute vorstellen.

Die beiden Top-Ziele in jedem Business

Das mache ich, indem ich den beiden überragenden Zielen eines Unternehmens, und zwar jedes Unternehmens, unterordne.

Wovon ich rede?

Ziel 1: Rentabilität steigern

Das große Ziel im Sinne der Betriebswirtschaft ist, dass Dein Unternehmen rentabel arbeitet, das heißt Gewinne erwirtschaftet.

Das Ganze wird dann nach Fristigkeiten unterteilt.

Das eine ist die langfristige Perspektive, mit der fangen wir ​mal an.

Instrument 1: Bilanz – was ist das?

Da kommt das 1. Instrument, das ist die Bilanz.

Vielleicht fangen wir mal damit an: "Wann musst Du überhaupt eine Bilanz aufstellen?"

Du bist nicht verpflichtet, auf jeden Fall eine Bilanz aufzustellen, sondern dafür gibt es betriebswirtschaftliche Kenngrößen, Zielwerte, die Du erfüllt haben musst, um verpflichtet zu sein.

Es hindert Dich aber keiner, es freiwillig zu tun.

Und zwar, wenn du 60.000 Euro Gewinn machst oder 600.000 Euro Jahresumsatz hast, dann bist Du verpflichtet eine Bilanz aufzustellen.

Das bedeutet dann auch, dass Du in eine doppelte Buchhaltungspflicht geführt wirst.

Bis dahin gilt nur eine vereinfachte Form der Buchhaltung, deswegen hast Du vielleicht auch momentan nur eine BWA, die Du bekommst und auf die nach der letzten Folge keine Lust mehr hast. Diese BWA, Du erinnerst Dich, folgt einem sogenannten Zuflussprinzip.

Jedenfalls, die Bilanz ist so etwas, wie das langfristige Gewissen deines Unternehmens.  Eines, dass niemals vergisst. Sie wir mit der Eröffnung Deines Business aufgebaut und entwickelt sich dann Monat für Monat, Jahr für Jahr weiter.

Wie ist jetzt so eine Bilanz aufgebaut?

Grundsätzlich vom Aufbau her kannst du dir das vorstellen wie ein großes T.

Hast du im Kopf, ein T?

Wunderbar.

Aktiva einer Bilanz

Da hast Du auf der linken Seite, das nennt man Aktiva, die Seite, wo die Mittelverwendung dokumentiert wird. Das heißt, wie setzt ​Du Dein Geld in Deinem Business ein?

Dazu hast Du im Wesentlichen zwei Möglichkeiten. Du hast auf der einen Seite langfristige Vermögenswerte, Du erinnerst Dich an die Abschreibungs-Folge 4 dieses Crashkurses, wo Du Betriebs- und Geschäftsausstattung, wo Du Immobilien drin haben kannst, wo Du Lizenzen drin haben kannst. Das sind so langfristige Vermögenswerte, die abgeschrieben werden können.

Dann hast Du kurzfristige Vermögenswerte, wie beispielsweise Material oder Vorräte, die Du allgemein hast, aber eben auch Cash, also Geld, das auf der Bank liegt.

Das sind ja auch Vermögenswerte, aber die stehen Dir nur kurzfristig zur Verfügung, zumindest, wenn Dein Cash auf einem ganz normalen Girokonto liegt.

Die Passiva einer Bilanz

Die rechte Seite Deiner Bilanz nennt man Passiva. Hier wird die Frage der Mittelherkunft​ geklärt. Also: Wo kommt das Geld eigentlich her, das Du für Dein Business einsetzt?

Auch hier gibt es im Groben zwei Möglichkeiten. Die eine ist als Fremdkapital, wenn Du Dir also bei einer Bank zum Beispiel einen Kredit aufnimmst.

Oder eben als Eigenkapital aus Ersparnissen, die Du mit in das Unternehmen einbringst, aber auch erwirtschaftetes Kapital, Gewinne, die Du in Deinem Business erwirtschaftet hast.

Das überragende Kennzeichen einer Bilanz ist: Sie ist immer ausgeglichen, das heißt die Seite der Vermögenswerte (Aktiva) und die Seite des Kapitals (Passiva) ist immer gleich groß.

Wenn das mal nicht der Fall sein sollte, dann darfst Du Dir 100 Prozent sicher sein, da ist ein Fehler in Deinem System. Du hast dann definitiv irgendwo einen Buchungsfehler drin.

Das ist das Geniale. Es ist ein geschlossenes System und da kommt nichts raus.

Jetzt habe ich Dir gerade gesagt, dass es sein kann, dass das Eigenkapital sich auch aus den Gewinnen zusammensetzt.

Wo kommen die Gewinne her?

Instrument 2: Gewinn & Verlustrechnung (GuV)

Na ja, das ist der kurzfristige Rentabilitätsteil, wo es also um das aktuelle Geschäftsjahr geht. Also alles, was so in dem laufenden Jahr stattfindet, das bezeichnen wir als kurzfristig.

Als kurzfristige Erfolgsrechnung empfehle ich Dir eben nicht die BWA oder Einnahmenüberschussrechnung, ​sondern ich empfehle ​Dir die Gewinn & Verlustrechnung (GuV).

Das ist im Grunde auch nichts anderes als eine kurzfristige Erfolgsrechnung. Aber der große Vorteil einer GuV gegenüber einer BWA ist, dass bei einer GuV eine periodengerechte Zuordnung erfolgt im Gegensatz zu diesem Zu- und Abflussprinzip einer BWA.

Was bedeutet jetzt periodengerechte Zuordnung?

Wir sprechen von einer periodengerechten Zuordnung, wenn eine Kostenposition genau in derselben Periode buchhalterisch berücksichtigt wird, wo sie auch verursacht wird. Und eben nicht erst zu dem Zeitpunkt, wenn Du die entsprechende Rechnung bezahlst.

Lass uns ein kleines Beispiel machen, um den Unterschied zu verdeutlichen.

​Wenn Du Dich entscheidest, einen neuen Computer oder einen neuen Drucker zu kaufen, dann buchst Du ihn genau in dem Monat, wo Du ihn gekauft hast und nicht, weil Du ein Zahlungsziel von vier Wochen hast, erst im nächsten Monat, wenn Du die Rechnung dann tatsächlich zahlst.

Klar soweit?

Das Tolle daran: Dadurch hast Du immer eine vollständige Berücksichtigung aller gewinnmindernden, oder allgemein gesprochen, aller gewinnbeeinflussenden Positionen (Es gibt ja schließlich auch Erträge).

Damit haben wir also das 2. Instrument schon kennengelernt, des ​magisches Business Dreiecks. Neben der Bilanz gibt es die GuV.

Liquidität steigern – Das 2. große betriebswirtschaftliche Ziel

Und dann gibt es noch das 2. große betriebswirtschaftliche Ziel, dem auch Dein Unternehmen folgt und das ist die Liquidität.

Liquide kommt aus dem ​ Griechischen und bedeutet nichts anderes als "flüssig sein" und damit ist am Ende das Geld gemeint.

Instrument 3: Die Cash-Flow-Rechnung

Hier es ein Instrument, das jetzt aus dem Duo (Bilanz & GuV) ein Trio macht. Ich meine die Cashflow-Rechnung oder zu Deutsch: Kapitalflussrechnung.

In der Cash-Flow-Rechnung werden zwei Fragen beantwortet.

Frage 1: Wofür wird dein Geld verwendet?

Da gibt‘ nämlich 3 Möglichkeiten.

  1. Auf der einen Seite ist es das operative Business, deswegen operativer Cashflow. Hier wird gemessen, inwieweit die Umsätze Deine betriebsbedingten Kosten bezahlen.
  1. Dann gibt es die Investition, da geht’s darum die Vermögensverkäufe den Neuanschaffungen gegenüberzustellen. Hieraus erfolgt ja auch ein Liquiditätseffekt, der aber eben nicht mit Deinem originären Business zu tun hat. Deshalb nennt man diesen Teil auch „Investing Cash-Flow“
  1. Und das gleiche gibt‘s dann nochmal für die Finanzierung, das ist der 3. Cashflow, den es gibt, der Financing Cashflow. Hier werden die Rückzahlungen von Krediten den Neu-Aufnahmen gegenübergestellt.

Das sind die 3 unterschiedlichen Varianten, wie wir unseren Cash-Bestand beeinflussen können.

Also: Wir können entweder aus unserem Business Gewinne oder Verluste erwirtschaften, wir können investieren oder deinvestieren oder wir können Kredite zurückzahlen oder neue aufnehmen.

Der entscheidende Cashflow und deswegen sollte man diesen auch so aufbereiten, ist natürlich der operative Cashflow.

Also wir sollten den Fokus haben, dass die Umsätze die operativen Kosten wirklich decken, weil dadurch auch die Güte deines Business oder die „innere Gesundheit“ Deines Unternehmens aufgedeckt wird.

Frage 2: Wie viel von dem Geld auf Deinem Konto hast du bereits fest verplant? 

​...weil Du schon entsprechende Verträge unterschrieben oder Zusagen getroffen hast.

Daher schauen wir im Rahmen einer Cash-Flow-Hochrechnung, wie sich der Kontostand in den nächsten Wochen und Monaten verändern wird. Diese Hochrechnung,oder auch Liquiditätsplanung, solltest Du im Zusammenhang mit der Analyse Deines Monatsergebnisses immer mal wieder aktualisieren.

Für die nächsten 6 bis 12 Monate schaust Du einfach, wie entwickeln sich Pläne ​für Umsätze und Kosten und was hat das für einen Cash-Effekt?

  • Wirst Du irgendwo in einen Liquiditätsengpass kommen?
  • Wird Dir irgendwann voraussichtlich Geld fehlen?

Dann kannst Du Dich heute schon vorbereiten und vielleicht überlegen, wo Du noch Geld herbekommen kannst, oder andere Maßnahmen einläuten.

Das ist sehr, sehr sinnvoll.

Damit das gelingt, empfehle ich Dir für die nächsten 6 bis 12 Monate das immer monatlich aufzuteilen​.

Und wenn Du sowieso einen 2- oder 3-Jahresplan hast, auf den Du zugreifen kannst, was ich auch hoffe, dann reicht für diese beiden Jahre auch ein Jahreswert.

Ich habe das bei mir so gelöst, dass ich grundsätzlich in Monatsscheiben plane und per Formel weiterrechne. Für Jahr 2 und 3 blende ich die Monate aber dann aus. Da reicht mir dann der Jahreswert, so dass ich sehe, dass es sich langfristig auch in die richtige Richtung entwickelt.

Jetzt ist aber doch der entscheidende Punkt!

Was ist so magisch an diesen 3 Instrumenten?

Warum sind es nicht einfach 3 Instrumente?

Marketing? NEIN!

Das magische an diesen 3 Instrumente ist, dass sie eng miteinander verwoben sind. Es ist ein in sich geschlossenes System.

Ich habe das gerade schon bei der Bilanz angedeutet, möchte Dir aber jetzt noch ein anderes Bild in Deinen Kopf malen.

Nimm mal die Bilanz und stelle sie Dir vor wie eine Art Weltkarte zu deinem Business. Also eine sehr globale Betrachtungsweise auf Dein gesamtes Business.

Dann nimmst Du die Cashflow-Rechnung, das ist der Straßenatlas. Diese ist wirklich detailliert abzulesen, was passiert da jetzt eigentlich, was geht ab?

Und jetzt kommen wir nochmal zu der Frage zurück, die ich im Intro eben gestellt habe.

Ist es nun möglich, dass Du einen Gewinn von beispielsweise 50.000 Euro ausweist, aber überhaupt kein Geld hast, um deine Rechnung zu bezahlen?

Na klar, gar kein Problem.

Stell Dir vor, Du hast einen großen Auftrag mit einem Kunden, stellst die Rechnung, hast damit Umsatz und damit auch Gewinn erwirtschaftet, aber der Kunde zahlt nicht.

Der Gewinn bleibt bestehen. Aber du hast keinen Cash-Effekt.

Anders rum, kannst Du für 65.000 Euro von mir aus auch einen Porsche kaufen, den Du dir aber eigentlich gar nicht leisten kannst.

Geht genauso.

Der entscheidende Zusammenhang und das ist jetzt echt so ein Ding, wenn du das verstanden hast, dann bist Du wahnsinnig weit gekommen.

Hast Du Dich mal gefragt, warum wir eigentlich Vermögen (Bilanz) anschaffen?

Nun, als Unternehmer schaffen wir Vermögen an, um Umsätze zu ermöglichen. Diese Umsätze sehen wir in der GuV. Hier haben wir also ein Zusammenspiel von GuV & Bilanz.

Eigentlich klar, oder?

Wir bräuchten dieses Betriebsvermögen ja nicht, wenn wir keine Umsätze erwirtschaften wollen. Und diese Umsätze wollen wir erwirtschaften, damit wir am Ende Gewinne haben.

Da sind wir auch noch in der GuV. Nun ist es leider Gottes so, vom Gewinn alleine haben wir ja nichts. Einen Gewinn können wir nicht ausgeben. Das ist erst mal nur ein buchhalterischer Gewinn.

Ausgeben können wir nur Cash.

Und deshalb schauen wir in der Cash-Flow-Rechnung, ob wir in der Lage sind aus unseren Gewinn auch entsprechenden (operativen!) Cash zu generieren, den wir dann auch tatsächlich ausgeben können. Würdest Du nur auf Dein Konto schauen, so wüsstest Du ja gar nicht, ob Dein Cash-Zuwachs aus dem operativen Geschäft kommt oder aus Finanzierungs- oder Investitionsgeschäften.

Diese Antwort gibt Dir aber Deine Cash-Flow-Planung.

Idealerweise sollte übrigens dieser operative Cashflow sogar noch größer sein als der Gewinn.


Unser eigentliches Ziel ist es also, nicht Gewinne zu erzielen,
sondern genügend ​operativen Cashflow zu erwirtschaften.


Wir wollen, dass die Gewinne, die wir erwirtschaften in einen deutlich größeren operativen Cashflow sich verwandeln.

Das hier ist jetzt ein echter Game-Changer. Daher lass es mich noch mal zusammenfassen.

Wir wollen so wenig Geld wie möglich in Betriebsvermögen investieren, damit so viel wie möglich Umsatz machen. Durch möglichst geringe Kosten, sollen aus den Umsätzen möglichst hohe Gewinne werden, die wir dann in einen möglichst großen operativen Cashflow verwandeln wollen.

Das ist im Grunde die Essenz der BWL und genau das ist das Zusammenspiel der Systeme.

Vermögen ist die Bilanz. Umsätze und Gewinne finden wir in der GuV und den operativen Cash in der Cash-Flow-Rechnung.

Alle 3 Instrumente helfen Dir im Zusammenspiel frühzeitig dann zu erkennen, wenn in Deinem gesamten Business-System irgendetwas nicht rundläuft. Das ist das Schöne an diesem wunderbaren System.

Wenn Du verstanden hast, warum Du Bilanz, GuV und Cashflow auch als Selbstständiger einsetzen solltest, was es Dir bringt und was Du für einen immensen Vorteil daraus ziehen kannst.

Ich hoffe, ich konnte dich jetzt ein bisschen motivieren in Deine Zahlen tief einzusteigen.

Bleib' erfolgreich!

Dein Jörg


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