Liquiditätsplanung: Endlich ein Praxisleitfaden, der wirklich weiterhilft

von Jörg

April 12, 2018

Dein Unternehmen lief in den letzten Jahren eigentlich ganz gut. Es war hektisch und anstrengend. Doch Du hast ganz gutes Geld verdient und so hat sich auch parallel ein großer Kostenblock aufgebaut. Weil die Geschäfte gut liefen, konntest Du auf Tools, wie eine Liquiditätsplanung oder gar einem Finanzplan ganz gut verzichten.

Doch quasi über Nacht steckst Du mit Deinem Unternehmen in einer Krise. (Fast) nichts geht mehr. Die Kunden sind sehr zurückhaltend, so dass der Umsatz regelrecht eingebrochen ist. Du hast auch jetzt wahnsinnig viel zu tun. Krisenmanagement ist verdammt anstrengend. Aber Du merkst auch, dass die Liquidität für Dein Unternehmen genauso wichtig ist, wie Sauerstoff für uns Menschen. Ohne Liquidität geht unseren unternehmerischen Zielen ganz schnell die Luft aus.

Jetzt wird Dir klar, dass es smart gewesen wäre, bereits in „guten Zeiten“ mit einer Liquiditätsplanung zu arbeiten. Aber Du weißt auch, es ist nie zu spät mit dem Richtigen zu beginnen.

Eine Übersicht darüber, wie sich die Liquidität in den nächsten Wochen, Monaten & Jahren entwickeln wird, ist für jedes Unternehmen essentiell. Es ist keine Frage, ob Du für Dein Unternehmen eine Liquiditätsplanung benötigst. Die einzig relevante Frage ist: „Wie sollte eine Liquiditätsplanung aufgebaut sein?“.

Ich unterscheide hierbei 2 Varianten:

  • Die zwischen Liquiditätsvorausschau, widmet sich recht detailliert auf Wochenbasis den nächsten 3 Monaten.
  • Die (strategische) Liquiditätsplanung ist auf Monatsbasis angelegt und darf wegen des Zeithorizonts auf die nächsten 2-3 Jahre deutlich „gröber“ sein.

Grundsätzlich sind beide Varianten gleich aufgebaut und unterscheiden sich wirklich nur im Detail der aufgeführten Positionen. Auch bei der Liquiditätsplanung gilt nämlich, je weiter Du in die Zukunft blickst, desto unsicherer sind Detailprognosen.

Du wirst mit Annahmen arbeiten, die mit etwas Übung von Mal zu Mal besser werden und irgendwann ins Schwarze treffen. Das ist keine Rocket-Science, sondern Dein Bauchgefühl, dass Du mit Deinem Zahlenverständnis abgleichst.  

Du hast gerade nicht viel Zeit? Dann spring doch hier zu dem Teil, der Dich besonders interessiert:

Ohne Liquiditätsplanung, kein Notgroschen

Vielleicht hast Du ganz andere Ziele, als viel Liquidität aufzubauen. Es könnte zum Beispiel sein, dass Du die Weltmeere sauber machen möchtest oder Plastik durch umweltfreundliche Produkte komplett ersetzen möchtest.

Das ist wunderbar. Aber auch dann wirst Du sicherstellen müssen, jederzeit genügend Cash in Deinem Unternehmen zu haben. Wenn Du nämlich kein Geld mehr auf dem Geschäftskonto hast, dann platzt Dein unternehmerisches Ziel plötzlich vor Deinen Augen.

Ich weiß, dass willst Du nicht erleben.

Damit dies nicht passiert, ist es für jedes Unternehmen wichtig, eine Liquiditätsplanung zu erstellen, über die sichergestellt werden kann, dass eine vernünftige und gut ausreichende Liquiditätsreserve (der unternehmerische „Notgroschen“) jederzeit zur Verfügung steht.

In den letzten 20 Jahren habe ich gelernt: Unternehmen mit einer Liquiditätsplanung haben eine (nennenswerte) Liquiditätsreserve. Wo eine solche Planung fehlt, gibt es auch keinen Notgroschen. Ist das Zufall? Ich denke nicht….

Bevor wir mit der Liquiditätsplanung beginnen können, sollten wir zunächst mal die Basics klären:

Liquidität – Was ist das eigentlich?

Etwas flapsig formuliert, bedeutet „liquide zu sein“, dass Dein Unternehmen „flüssig“ ist. Damit ist gemeint, dass Du als Unternehmer jederzeit in der Lage bist, alle eingehenden Rechnungen auch bezahlen zu können.

Jederzeit zahlungsfähig sein zu müssen, zeigt schon, dass es darum geht, immer genug Geld auf dem Konto zu haben. Im Fachchinesisch wird übrigens gerne davon geredet, dass die „Zahlungsströme für ein liquides Unternehmen ausschlaggebend sind“. Es kommt also darauf an, dass mehr Geld auf das Konto eingezahlt, als ausgezahlt wird.

Na logo!

Vermutlich ist es Dir längst klar, aber ich möchte auf Nummer sicher gehen: Es ist wichtig, dass Du Dich jederzeit daran erinnerst, dass Deine Ergebnisrechnung (also Deine GuV oder BWA) von der Liquiditätsrechnung abweicht. Denn einerseits werden hier zusätzliche „Ströme“ berücksichtigt (z.B. Abschreibungen), während andere in Deiner BWA gar nicht abgebildet werden. (z.B. Rückzahlung von Krediten). Somit ist auch das Ergebnis der Ergebnisrechnung (Gewinn/Verlust) anders als in der Liquiditätsrechnung (Guthaben auf dem Konto / zusätzlicher Kapitalbedarf).

Daher kommt es auch gar nicht so selten vor, dass ein Unternehmen zwar Gewinne erwirtschaftet, aber kein Geld mehr auf dem Konto hat. Oder das Verluste erwirtschaftet werden, aber trotzdem genug Geld auf dem Geschäftskonto liegt – auch wenn das kein Dauerzustand sein kann, denn irgendwann ist jeder Brunnen ausgetrocknet, wenn kein Wasser nachgeschüttet wird…..

Und wenn nicht mehr genug auf dem Konto ist, dann ist Dein Unternehmen pleite.

Game Over, beziehungsweise: Du darfst beim Amtsgericht Insolvenz anmelden.

Die Insolvenz ist übrigens der häufigste Grund, warum tolle Geschäftsideen wieder von der Bildfläche verschwinden.

Warum jedes Unternehmen unbedingt Liquiditätsplanung braucht

Es gibt viele Unternehmer, die glauben, dass es ausreicht, jederzeit den Saldo des Geschäftskontos im Blick zu haben.

Gehörst Du vielleicht sogar dazu?

Ich nenne diesen Liquiditätsmanagement-Style „Management by Kontostand“.  Mit dieser „geübten Praxis“ kannst Du vielleicht, wenn Du ohne globale Wirtschaftskrise durchs Leben kommst, irgendwie überleben. Aber wenn Du wirklich etwas mit Deinem Unternehmen verändern möchtest, dann braucht es i.d.R. auch eine wachstumsorientierte, gesunde Unternehmensentwicklung. Und dafür ist „Management by Kontostand“ total ungeeignet.

Jedes Unternehmen darf keinesfalls allein durch den Blick in den Rückspiegel geführt werden – und genau das machen die Unternehmer mit diesem „Style“.. Es ist wichtig, die unternehmerische Zukunft aktiv zu gestalten. Und dafür braucht es einen wasserdichten Finanzplan. Ein wesentlicher Teil des Finanzplans ist die Liquiditätsplanung, bzw. Kapitalbedarfsplanung.

Eine solche Planung wird Dir verraten, wie sich der Banksaldo in Zukunft entwickeln wird. So kannst Du auch bereits frühzeitig ablesen, ob Du auch in Zukunft jederzeit in der Lage sein wirst, Deinen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen.

“Ein Liquiditätsplan ist für jedes Unternehmen, dass den Anspruch erhebt, professionell und seriös geführt zu werden, Pflicht.”

Egal, wie groß das Unternehmen ist.

Egal, welche Branche.

Egal, in welche Situation das Unternehmen steckt.

Im Rahmen der Unternehmensgründung, wenn Du einen Kredit beantragen möchtest oder wenn vielleicht eine Fusion ansteht, brauchst Du diesen Liquiditätsplan ohnehin. Da wirst Du froh sein, wenn Du auf einen aktuellen Plan zurückgreifen kannst, um möglichst schnell und zuverlässig diese Daten liefern zu können.

Als im März 2020 die Corona-Krise ausbrach, haben tausende Unternehmen „über Nacht“ einen solchen Plan erstellen müssen. Was meinst Du, wie gut die Unternehmer diese Stunden & Tage für andere Themen benötigt hätten?

Also merke Dir:

Der Liquiditätsplan ist Pflicht!

Basta.

Dein Liquiditätsplan als DEIN strategisches Werkzeug

Genau wie ein Finanzplan allgemein, ist auch die Planung Deines Kontostands niemals ausschließlich für Banker, Investoren oder Lieferanten. Vor allem ist es DEIN PLAN.

Viele Unternehmer entgegnen gerne, dass sie nun mal keine Glaskugel haben und ein Plan ohnehin immer falsch ist. Da könne man sich die Zeit auch sparen.

Falsch.

Richtig ist: Ein Plan beruht auf Annahmen und somit ist auch Dein Liquiditätsplan mit Unsicherheit verbunden.

Das weißt Du, das weiß auch Deine Bank oder Investor.

Es geht auch hierbei weniger darum, dass die Prognosen für die Zukunft exakt eingehalten werden. Vielmehr ist es wichtig, dass Du Dich ernsthaft mir den zu erwartenden Ein- und Auszahlungen beschäftigst sowie plausible Annahmen zu deren Entwicklung triffst.

Dabei ist eine Annahme immer dann plausibel, wenn auch ein (objektiver) Dritter diese nachvollziehen kann.

Schlussendlich geht es vor allem darum jederzeit das Ausfallrisiko von einzelnen Zahlungen im Blick zu haben. Und dafür eignet sich so ein Liquiditätsplan, oder auch eine Liquiditätsvorausschau (mehr dazu gleich) perfekt.

Das wichtigste Ziel des Liquiditätsplans: Auf den worst-case vorbereitet sein

Zusätzlich zur Sicherung Deiner dauerhaften Zahlungsfähigkeit zeigt Dir Dein Liquiditätsplan, ob die Liquiditätsreserve für Dein Unternehmen vernünftig ist.

Ich empfehle meinen Kunden immer, dass diese mindestens für 6 Monate ausreichen sollte, wenn der worst-case eintritt. Eine solche Liquiditätsreserve ist eine der beiden Säulen, auf denen ein finanziell stabiles Unternehmen gebaut wird. (Erinnerung: Die zweite Säule ist eine Rentabilität von mindestens 20% vom Rohertrag).

Um zu berechnen welchen EURO-Betrag die Liquiditätsreserve umfassen sollte, gehst Du bitte von der Annahme aus, dass Deine Umsätze plötzlich alle wegbrechen.

NULL Euro Einnahmen bedeutet keine Einzahlungen auf Deinem Konto.

Bis zur „Corona-Krise“ wurde ich bei dieser Forderung von vielen Unternehmern „ausgelacht“. Das sei ja schließlich ein total unrealistisches Szenario, dass von heute auf morgen der Umsatz komplett wegbricht.

Glaub‘ mir, ich hätte es nicht gebraucht, dass Corona den Sinn der Liquiditätsreserve unterstreicht. Aber wir sehen, unrealistisch bedeutet nicht, dass es nicht passieren kann. Und in einzelnen Branchen, einzelnen Städten, Straßenzügen passiert das viel schneller und häufiger, als man glaubt. So hat schon so manche Großbaustelle für empfindliche Umsatzeinbußen gesorgt…..

Also: Wie lange kannst Du Dein Business fortführen, ohne drastische Maßnahmen ergreifen, die an die Substanz Deines Unternehmens gehen?  Oder ohne Insolvenz anmelden zu müssen?

Genau diese Antwort gibt Dir die Liquiditätsreserve.

Eine Anmerkung noch dazu: Die Liquiditätsreserve sollte auch nicht überdimensioniert sein. Zuviel Geld auf dem Konto, bedeutet auch den Verzicht auf lukrative Anlage- & Investitionsmöglichkeiten.

Beides kann für die langfristige Entwicklung sehr wichtig sein.

Die Liquiditätsvorschau als Teil Deiner monatlichen "Finanzsession"

Als Leser meines Blogs weißt Du, dass ich Dir ans Herz lege, Dich mindestens einmal pro Quartal intensiv mit Deinen Unternehmensfinanzen auseinanderzusetzen. Je größer (und damit komplexer) Dein Unternehmen wird, bzw. je enger die Liquiditätssituation wird, desto enger sollten die zeitlichen Abstände sein. Einen monatlichen Blick auf die Zahlen solltest Du aber natürlich unbedingt werfen….

Grundsätzlich gilt: Wenn Du 1x pro Quartal Deinen Finanzplan überarbeitest, dann sollte ein Aspekt dieser Finanzsession (spätestens jetzt) die Analyse und ggf. Anpassung Deiner Liquiditätsplanung. Ausgehend von Deinem Kontostand überprüfst Du dann, ob Deine Annahmen zu den zukünftigen Zahlungsströmen noch so gültig sind, oder ob Du besser anpassen solltest.

Auf diese Weise entwickelst Du sehr schnell ein gutes Gefühl für Deine Planungsannahmen und Deine Finanzen im Allgemeinen. Du wirst so sehr frühzeitig Fehlentwicklungen feststellen und kannst rechtzeitig Gegenmaßnahmen ergreifen. Dazu habe ich aber später noch etwas für Dich.

Einen Liquiditätsplan aufstellen ist ganz simpel

Ja, ich weiß. Wenn Du das erste Mal auf so einen Liquiditätsplan blickst, dann wirkt dieser abschreckend.

Aber vertraue mir. Der Schein trügt.

Eigentlich ist sogar das Gegenteil richtig. Einen Liquiditätsplan aufzustellen ist eigentlich keine große Sache.

Aufbau eines Liquiditätsplanes

Beim Erstellen einer Liquiditätsplanung folgest Du Monat für Monat einem ganz simplen Schema:

Liquide Mittel zu Beginn der Periode

+ EinzahlungeN

- AUszahlungen

Liquide Mittel am Ende der Periode

Übrigens: Zu der Auswahl eines für Dich passenden Tools, werde ich Dir später noch mal ein paar Tipps geben. Wenn Du Dich hier clever entscheidest, dann ist das die halbe Miete.

Versprochen!

Aber jetzt lass uns tief in die Liquiditätsplanung einsteigen.

Wir haben schon viele wichtige Dinge besprochen. Gönn Dir doch vielleicht zunächst ein Kaltgetränk, Kaffee oder Tee, bevor wir weitermachen.

Bereit? Dann los….

So erstellst Du Deinen Liquiditätsplan Schritt für Schritt

Zunächst mal wollen wir klären, was denn nun alles im Liquiditätsplan berücksichtigt werden muss. Also was sind die Zahlungen, die Du hier jetzt planen solltest?

Und wie genau?

Welche Zahlungen gehören in den Liquiditätsplan?

Welche Einzahlungs- und Auszahlungspositionen in die Liquiditätsplanung gehören, unterscheidet sich von Unternehmen zu Unternehmen. Wichtig ist, dass Du wirklich alle Zahlungen erfasst.

Zudem ist es entscheidend, dass Du hierbei nur solche Geschäftsvorfälle berücksichtigst, die auch über Dein Geschäftskonto (oder falls vorhanden, Deine Bar-Kasse) laufen.

Folgende Positionen aus Deiner GuV/BWA gehören typischerweise nicht in die Erfolgsrechnung:

Abschreibungen mindern den Gewinn in Deiner BWA, sind aber nicht zahlungswirksam.

Eine Kreditaufnahme führt zur Einzahlung, die sich jedoch nicht auf den Gewinn auswirkt.

Kauf und Verkauf von Anlagevermögen sind ebenso zahlungs- aber nicht gewinnwirksam.

In diesem Zusammenhang möchte ich Dich bitten, darauf zu achten, dass Du der Zeitpunkt, am dem ein Geschäftsvorfall (zum Beispiel der Verkauf einer Maschine oder eines Autos) in der Ergebnisrechnung berücksichtigt wird, oft ein anderer ist, als die entsprechende Zahlung erfolgt. Der Unterschied ist häufig das sog. Zahlungsziel.

Bei Deiner Liquiditätsplanung möchtest Du unbedingt darauf achten, dass Du jeweils den Zeitpunkt wählst, wo Du die Ein- oder Auszahlung vom Geschäftskonto erwartest!

Ok, bezüglich der Detaillierung dieser Planung sei gesagt: Du darfst selbst entscheiden, wie detailliert Du die einzelnen Positionen planen möchtest.

Ich empfehle immer, es so detailliert wie nötig und so kompakt wie möglich zu machen. Wenn Du - im Extremfall – jede einzelne Zahlung berücksichtigst, dann bist Du nicht nur sehr lange beschäftigt, sondern es wird schnell auch sehr unübersichtlich. Vielleicht passt es für Dich, wenn Du die wirklich großen Brocken, also die erfolgskritischen, separat planst und für den Rest sinnvolle Gruppen wählst.

Folgende Zahlungen sind für die meisten Unternehmen typisch:

Einzahlungen

  • Bar- und Kassenbestände
  • Zahlungseingänge aus Einzahlungen aus Verkäufen (inkl. Umsatzsatzsteuer!
  • Vorsteuererstattung
  • Zinszahlungen,
  • Verkauf von Anlagevermögen (z.B. Maschinen, Computer etc.)
  • Kreditaufnahmen,
  • Fördermittel
  • Kapitalerhöhungen
  • Steuererstattungen
  • Privateinlagen
  • Sonstige Erstattungen (z.B. Strom, Wasser, Gast-Rückerstattungen, etc.)

Auszahlungen

  • Wareneinkauf / Material
  • Personalkosten & Sozialversicherungsbeiträge
  • Umsatzsteuerzahlungen
  • Kredittilgungen,
  • Sonstige Auszahlungen, wie Miete, Leasingraten, Werbekosten, Versicherungen...
  • Investitionen in Anlagevermögen (z.B. Maschinen, Computer etc.)
  • Privatentnahmen
  • Gewinnausschüttungen / Dividenden


Mehr braucht es eigentlich gar nicht. 🙂

Ich weiß, wenn Du das nun das erste Mal so vor Dir siehst, dann wirkt der Mount Everest, wie ein kleiner Hügel auf Dich.

Aber ich weiß auch: Du schaffst das! Gerader der erstmalige Aufbau ist natürlich Arbeit, aber dafür geht die spätere Aktualisierung um so schneller.

Wie häufig solltest Du den Liquiditätsplan aktualisieren?

In vielen Fällen reicht es, wenn Du Deinen Liquiditätsplan auf Monatsbasis erstellst. Einige Unternehmen hingegen (vor allem größere KMUs) setzen allerdings auf einen stufigen Aufbau. Der könnte wie folgt aussehen:

  • die nächsten 14 Tage: Tagesbasis
  • die darauffolgenden 6 Wochen: Wochenbasis
  • Die nächsten 22 Monate: Monatsbasis
  • Das 3. Jahr: Quartalsbasis

Wenn Du für Dein Unternehmen keine echten Liquiditätsengpässe erwartest, solltest Du die nächsten 3 Jahre auf Monatsbasis planen. Entsprechend aktualisierst Du diesen Plan mindestens einmal pro Quartal, besser Monat für Monat. Diese Vorgehensweise wählen die meisten Unternehmen, die in einer „normalen“ wirtschaftlichen Situation stecken.

Je enger die Liquiditätssituation in Deinem Unternehmen wird, desto „engmaschiger“ möchtest Du auch die Liquidität planen. Sollte sich Dein Unternehmen also in einer echten Krise befinden, so möchte ich Dir mindestens einen wöchentlichen Planungsrhythmus ans Herz legen. (Manchmal kann sogar eine Planung auf Tagesebene sinnvoll sein).

In solchen Situationen rate ich sehr gerne zu einer ergänzenden 13W-Liquiditätsvorausschau. Auf diese gehe ich weiter unten noch mal etwas detaillierter ein.

Schritt für Schritt zum Liquiditätsplan: so geht's

Ich bin ja grundsätzlich ein großer Excel-Fan, wenn es um Controlling-Werkzeuge speziell für kleine Unternehmen geht. Und so wird es Dich nicht wundern, dass ich Dir auch in diesem Fall Microsoft Excel als Tool der Wahl vorschlage, Du bist damit einfach flexibler und kannst Deinen Plan so ganz individuell an Dein Unternehmen anpassen.

Ok, nachdem wir uns für Excel als Tool entschieden haben, schlage ich Dir die folgenden Schritte vor:

  1. 1
    Entscheide Dich zunächst für die Ein- & Auszahlungspositionen, die Du in Deiner Kapitalbedarfsplanung berücksichtigen möchtest. 
  2. 2
    Idealerweise ist Deine Liquiditätsplanung ein Teil Deines Finanzplans. Dann sollte diese auch mit den anderen Teilen des Finanzplans verknüpft sein, z.B. mit der Umsatz- & Ergebnisplanung. (Eine solche Excel-Vorlage gibt es übrigens zum Beispiel hier).
    Aber natürlich kannst Du gerade für ein kleines Unternehmen die Werte auch manuell einfach eintragen. Kein Problem. 
  3. 3
    Starte mit dem Kontostand am Ausgangsdatum. Wenn Du z.B. am 1.05. mit der Planung beginnen möchtest, dann ermittle per 30.04. den Kontostand. Dieser ist somit der Ausgangssaldo Deiner Liquiditätsplanung. 
  4. 4
    Nun addierst Du zunächst alle Einzahlungspositionen. Bitte denk unbedingt daran, dass Du Deine Umsätze Brutto (also inkl. Umsatzsteuer) berücksichtigst. 
  5. 5
    Im nächsten Schritt ziehst Du alle Auszahlungen ab. Auch hier bitte die Steuerzahlungen nicht vergessen 
  6. 6
    Nun rechnest Du:
    Ausgangssaldo (zu Beginn der Periode)
    +          Einzahlungen
    -          Auszahlungen
    =          Endsaldo (am Ende der Periode)
  7. 7
    Kontrolliere nun regelmäßig (1x pro Monat), ob die errechnete mit der tatsächlichen Liquidität übereinstimmt. Finde eventuell fehlende Positionen und falsche Annahmen und tausche die geplanten Werte durch die IST-Werte.
  8. 8
    Beobachte die voraussichtliche Liquiditätsentwicklung im gesamten Planungszeitraum. Sollte die geplante Liquidität ins Minus rutschen, so such kurzfristig das Gespräch mit Deinem Banker. Eventuell kann Dein Dispo-Kredit aufgestockt werden oder Ihr habt genug Zeit über andere Alternativen zu entscheiden.

EXKURS: Die Liquiditätsvorausschau als sinnvolle Ergänzung zum Liquiditätsplan

Ich habe schon ganz zu Beginn dieses Artikels erwähnt, dass gerade in Krisensituationen eine ergänzende sehr detaillierte Liquiditätsplanung für die nächsten 3 Wochen sehr sinnvoll sein kann. Zur besseren Unterscheidung nenne ich diese Planung „Liquiditätsvorausschau“.

Die 13 Wochen (13W-) Liquiditätsvorausschau folgt grundsätzlich denselben Prinzipien, wie die (strategische) Liquiditätsplanung. Sie ist aber eben maximal auf Wochenbasis angelegt und umfasst insgesamt 13 Wochen. Neben der aktuellen Woche wird dabei für 12 Wochen in die Zukunft geblickt.

Je kürzer die Perioden (Tage, Wochen, Monate) der Liquiditätsplanung, desto detaillierter werden häufig auch die aufgeführten Ein- & Auszahlungspositionen.

 Wie das en detail aussehen könnte, zeige ich in diesem Video:

Diese Fehler wirst Du bei Deiner Liquiditätsplanung (jetzt) vermeiden

Umsatzträume statt plausible Annahmen
Gerade bei den Umsätzen neigt der Unternehmer häufig dazu, mit der rosaroten Brille zu planen. Zu hoch geplante Umsätze führen dazu, dass auch Deine Liquiditätsplanung viel zu rosig aussieht. Diskutiere Deine Planung mit einer anderen Person. Lass Dir wirklich auf den Zahn fühlen. Es nützt ja doch nichts, wenn Du Dir selbst was in die Tasche lügst....

Netto statt Brutto!
Während zum Beispiel Deine BWA oder GuV nur auf den Nettobeträgen, also exklusive Umsatzsteuer, beruht, darfst Du diese bei Deiner Liquiditätsplanung berücksichtigen. Unbedingt sogar! Bitte rechne für alle umsatzsteuerpflichtigen Ein- & Auszahlungen die Steuer mit ein, denn schließlich überweist Du das Geld ja auch tatsächlich an das Finanzamt. Ich empfehle Dir sowohl für die Umsatzsteuer als auch für die Vorsteuer jeweils eine separate Position in Deinem Liquiditätsplan anzulegen.

Nicht wirklich vollständig!
Kleinvieh macht auch Mist! Es ist wichtig, dass Du in Deiner Liquiditätsplanung wirklich alle Ein- und Auszahlungen berücksichtigt. Auch wenn man schnell mal denken könnte "Ach, die 50 Euro sind jetzt wurscht". Ja, als Einzelbetrag vielleicht, aber wenn Du diesen Gedanken mehrfach zulässt und entsprechend agierst, dann addiert sich schnell ein nettes Sümmchen. Dieses fehlt dann in Deiner Planung und böse Überraschungen drohen. Also: Alles was Du an Ein- und Auszahlungen kennst, gehört in Dienen Liquiditätsplan.

Zahlungsziele werden nicht berücksichtigt
Das Geld landet nicht auf Deinem Konto, wenn Du die Rechnung schreibst. Es fließt auch nicht ab, wenn Du eine Rechnung erhältst. Sondern immer nur dann, wenn Dein Kunde oder Du den Rechnungsbetrag überweist. Klingt banal, ist aber sehr wichtig. Ermittle und berücksichtige das durchschnittliche Zahlungsziel, dass Du Deinen Kunden gewährst. Solltest Du auf eine entsprechende Analyse zurückgreifen können: Schau wann Deine Kunden tatsächlich Deine Rechnungen im Durchschnitt bezahlen und kalkuliere diesen "Verzug" bei Deinen Einnahmen mit ein. Analog verfährst Du mit den Rechnungen, die Du selbst bezahlen solltest.

Privatentnahmen werden vergessen
Dieser Punkt ist besonders für Dich als Selbstständiger relevant. Auszahlungen an Dich selbst, also Dein Gehalt, darfst Du auf keinen Fall vergessen. Das sind sog. Privatentnahmen und sorgen für einen wesentlichen Liquiditätsabfluss. Stell Dir hierfür unbedingt klare Regeln auf, an die Du Dich dann auch hältst!

Faktor Mensch: Eingabe-, Formel & Übertragungsfehler
Tja, wir Menschen machen nun mal Fehler. Ärgerlich, aber ist nun mal so. Also auch hierbei können Eingabe, Formel- & Übertragungsfehler schnell passieren.

Image of businessman standing on graph and pulling it upwards

Liquidität aufbauen & sichern. So geht's!

Räum‘ Deinen Weg frei

In diesem Kurs lernst Du die 3 wichtigsten Schritte kennen, über die Dein Unternehmen dauerhaft und gesund wachsen kann!

Es gibt sehr viele verschiedene Möglichkeiten, wie Du an eine Vorlage für Deinen Liquiditätsplan kommst. Einige von ihnen stehen Dir sogar kostenfrei zur Verfügung. Andere sind kostenpflichtig, dafür dann aber auch sehr professionell. In jedem Fall, wird Deine Arbeit durch solche Vorlagen oder den Einsatz entsprechender Software entsprechend vereinfacht.

Generell bin ich nach wie vor ein großer Fan von Excel-Vorlagen und ich möchte Dir auch dringend empfehlen Deinen Liquiditätsplan als Teil eines umfassenden Finanzplans aufzustellen.

Wenn dieser dann noch individuell auf Dein Unternehmen angepasst ist, dann ist das schon mehr als die halbe Miete. Mit diesem Finanzplan, wird Deine nächste Liquiditätsplanung zum Kinderspiel.

Und wenn Du feststellst, dass es um Deine Liquidität nicht so gut bestellt ist:

15 Tipps für eine höhere Liquidität

Die folgenden 15 Tipps habe ich für Dich in 2 Gruppen unterteilt, weil die Wirkung und der Sinn dahinter jeweils etwas anders ist:

Gruppe 1: Tipp 1 bis 6: Die Tipps helfen Dir auch langfristig dafür zu sorgen, gar nicht erst in Liquiditätsprobleme zu kommen.

Gruppe 2: Tipp 7 bis 15: Diese Liquiditäts-Tipps sind wichtig, wenn Du mit Deinem Unternehmen bereits in einer echten Liquiditätskrise steckst – wenn Du also „knapp bei Kasse“ bist.

Aufbau eines professionellen, effizienten und konsequenten Rechnungsmanagementprozesses (inkl. Mahnwesen)

Bei offenen Forderungen (Außenständen) frühzeitige Beauftragung von Inkasso-Firmen

Überlege Dir gut, wer Deine Kunden sind, Ich rate gerne dazu, lieber für viele kleinere als für wenige große Kunden zu arbeiten (Reduzierung des Zahlungsausfallrisikos)

Fixkosten senken mit einer Vertragsübersicht, in der Du alle vertraglich fixierten Kosten aufführst und so jederzeit die volle Kontrolle über Deine Fixkosten hast.

Plane verspätete Zahlungen ein, zumindest bei größeren Umsätzen

Regelmäßig die eigenen Ausgaben überprüfen und optimieren

Verhandle die Zahlungsziele für Deine Kunden neu. Biete ggf. Skonto für die sofortige Bezahlung an.

Verhandle die Zahlungsziele mit Deinen Lieferanten neu. Versuch längere Zahlungsfristen oder Ratenzahlungen zu vereinbaren

Forderungen durch Factoring in liquide Mittel umwandeln

Such frühzeitig das Gespräch mit Deinem Banker. Nimm einen neuen Kredit auf oder erhöhe das bestehende Kreditvolumen.

Verlängere die Kreditlaufzeiten, um die Rückzahlung bestehender Kredite geringere Raten zu erreichen

Privateinlage (Personengesellschaft) oder Kapitalerhöhung (Kapitalgesellschaft)

Hast Du schon mal über einen Investor nachgedacht? Das kann manchmal eine sehr sinnvolle Alternative zum Bankkredit sein.

Eigentlich logisch, aber dennoch; Verschiebe geplante Investitionen

Verkaufe (nicht zwingend notwendiges) Anlagevermögen. Sollte das Anlagevermögen doch zwingend benötigt werden, könnte ein zurückleasen eine Option sein (Sale & Lease back)  

bleib' erfolgreich!

Jörg Roos

Ich helfe Dir dabei, mehr finanzielle Substanz für Dein mittelständisches Unternehmen aufzubauen. Dabei verfolge ich das Ziel, dass auch Dein Unternehmen bald schon in der Lage ist, eine Phase von 6 Monaten ohne Umsatz locker zu überstehen!

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