Liquiditätsplanung: Endlich ein Praxisleitfaden, der wirklich weiterhilft
Liquiditätsplanung

Liquiditätsplanung: Endlich ein Praxisleitfaden, der wirklich weiterhilft

Cash is King. Oder wie man im Ruhrpott gerne sagt: "Ohne Moos nix los!". Und Marius Müller-Westernhagen meint "Gold findet man bekanntlich im Dreck und Straßen sind aus Dreck gebaut". Aber was wollen uns diese Zitate eigentlich sagen? Und was bedeutet das für uns Unternehmer, auch wenn wir weniger von "Gold & Moos" reden? Geld ist wichtig. Viele von uns treibt das liebe Geld sogar an, denn auch wir wollen schließlich Brötchen kaufen. Selbst die graue Theorie der Betriebswirtschaftslehre beschreibt die Steigerung oder mindestens Sicherung der Liquidität als eines der beiden überragenden Unternehmensziele (neben der Rentabilität).

Grund genug, dass wir dem Thema Geld / Liquidität jetzt mal auf den Zahn fühlen.

Also, was bedeutet eigentlich Liquidität? 

Etwas flapsig formuliert meint liquide zu sein, dass Du flüssig bist. Bezogen auf deine Finanzen wird es aber bitterernst. Denn dies bedeutet nichts anderes, als dass Du jederzeit zahlungsfähig bist. Eine ausreichende Liquidität sorgt dafür, dass Du die Rechnungen Deiner Geschäftspartner (= Verbindlichkeiten) fristgerecht bezahlen kannst.

Ist dieses nämlich nicht möglich, so gehen in Deinem Unternehmen ganz schnell die Lichter aus. Das Schreckensgespenst der Insolvenz würde Dich heimsuchen. Die Zahlungsunfähigkeit eines Unternehmens gehört übrigens zu den häufigsten Gründen einer Insolvenz. Damit Dir das nicht passiert, ist es also wichtig, dass Du Deinen Kontostand immer im Blick hast.

Häufig wird übrigens noch zwischen der kurzfristigen und der langfristigen Liquidität unterschieden. Kurzfristig ist hierbei all das, was Du innerhalb von weniger als 3 Monaten wirklich zur freien Verwendung auf Deinem Konto hast. Langfristig meint, fest angelegte Gelder, an die Du eben nicht so ohne weiteres herankommst.

Warum ist eine Liquiditätsplanung überhaupt wichtig?

Der aktuelle Blick auf Dein Geschäftskonto ist schön und gut. Aber Dein Konto verrät Dir nun mal nicht so ohne weiteres, wie sich der Saldo in Zukunft so entwickeln wird Du kannst dort nicht ablesen, ob Du auch in Zukunft jederzeit in der Lage sein wirst, Deinen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Um das besser abschätzen zu können, brauchst Du eine Liquiditätsplanung und solltest diese auch regelmäßig aktualisieren. Dabei ist es ganz egal ob Du nun Dein Business als Selbstständiger oder als KMU betreibst.

Der Liquiditätsplan ist Pflicht! Basta.

Dein Liquiditätsplan als Managementwerkzeug

Ein Plan beruht auf Annahmen und somit ist auch Deine Liquiditätsplan mit Unsicherheit verbunden.

Das weißt Du, das weiß auch Deine Bank oder Investor.

Es geht auch hierbei weniger darum, dass die Prognosen für die Zukunft exakt eingehalten werden. Vielmehr ist es wichtig, dass Du Dich ernsthaft mir den zu erwartenden Ein- und Auszahlungen beschäftigst sowie plausible Annahmen zu deren Entwicklung triffst. Dabei ist eine Annahme immer dann plausibel, wenn auch ein (objektiver) Dritter diese nachvollziehen kann.

Auf den worst-case vorbereitet sein

Zusätzlich zur Sicherung Deiner dauerhaften Zahlungsfähigkeit zeigt Dir Dein Liquiditätsplan, ob Deine Liquiditätsreserve vernünftig ist. Ich empfehle meinen Kunden immer, dass diese mindestens für 3 Monate ausreichen sollte, wenn der worst-case eintritt. Um zu berechnen welchen EURO-Betrag diese umfassen sollte, gehst Du bitte von der Annahme aus, dass Deine Umsätze plötzlich alle wegbrechen. NULL Euro Einnahmen bedeutet keine Einzahlungen auf Deinem Konto.

Wie lange kannst Du Dein Business fortführen, ohne drastische Maßnahmen ergreifen oder gar Insolvenz anmelden zu müssen? Genau diese Antwort gibt Dir die Liquiditätsreserve.

Natürlich gilt auch hier: DENKEN ist nicht verboten. Die Liquiditätsreserve sollte auch nicht überdimensioniert sein. Zuviel Geld auf dem Konto, bedeutet auch den Verzicht auf lukrative Anlage- & Investitionsmöglichkeiten. Beides kann für die langfristige Entwicklung sehr wichtig sein.

Die Liquiditätsvorschau als Teil Deiner monatlichen "Finanzsession"

Als Leser meines Blogs weißt Du, dass ich Dir ans Herz lege, Dich mindestens einmal pro Monat intensiv mit Deinen Finanzen auseinanderzusetzen. Teil dieser Finanzsession sollte ab sofort die Analyse und ggf. Anpassung Deiner Liquiditätsvorausschau sein. (Das ist nur ein anderes Wort für den Liquiditätsplan) Ausgehend von Deinem Kontostand überprüfst Du dann, ob Deine Annahmen zu den zukünftigen Zahlungsströmen noch so gültig sind, oder ob Du besser anpassen solltest.

Auf diese Weise entwickelst Du sehr schnell ein gutes Gefühl für Deine Planungsannahmen und Deine Finanzen im Allgemeinen. Du wirst so sehr frühzeitig Fehlentwicklungen feststellen und kannst rechtzeitig Gegenmaßnahmen ergreifen. Dazu habe ich aber später noch etwas für Dich.

Einen Liquiditätsplan aufstellen ist ganz simpel

Ja, ich weiß. Wenn Du das erste Mal auf so einen Liquiditätsplan blickst, dann wirkt dieser abschreckend.

Aber vertraue mir. Der Schein trügt.

Eigentlich ist sogar das Gegenteil richtig. Einen Liquiditätsplan aufzustellen ist eigentlich keine große Sache.

Zu der Auswahl des für Dich passenden Tools werde ich Dir später noch mal ein paar Tipps geben. Wenn Du Dich hier clever entscheidest, dann ist das die halbe Miete.

Versprochen!

Die Bestandteile eines vollständigen Liquiditätsplans

Dein Liquiditätsplan benötigt nur zwei wesentliche Informationen. Die Summe aller(!) Einzahlungen und die Summe aller Auszahlungen. Damit dies einfacher und übersichtlicher für Dich ist werden jeweils unterschiedliche Einflussgrößen berücksichtigt:

Einzahlungen

  • check
    Bar- und Kassenbestände
  • check
    voraussichtliche Zahlungseingänge in Form von Einzahlungen aus Verkäufen (inkl. Umsatzsatzsteuer!)
  • check
    sonstige Einzahlungen in Form von Zinszahlungen, Verkäufen von Anlagevermögen, Kreditaufnahmen, Erstattungen von Steuern und Privateinlagen

Auszahlungen

  • check
    Wareneinkauf
  • check
    Personalkosten & Sozialversicherungsbeiträge
  • check
    langfristige Verträge
  • check
    Sonstige Auszahlungen, beispielsweise Kredittilgungen, Mieten, Leasingraten, Werbekosten...
  • check
    Investitionen in Anlagevermögen
  • check
    Steuerzahlungen


Mehr braucht es eigentlich gar nicht. 😃

In vielen Fällen reicht es, wenn Du Deinen Liquiditätsplan auf Monatsbasis erstellst.

Viele Unternehmen (vor allem größere KMUs) setzen allerdings hierbei auf einen stufigen Aufbau. Der könnte wie folgt aussehen:

  • die nächsten 14 Tage: Tagesbasis
  • die darauffolgenden 6 Wochen: Wochenbasis
  • Die nächsten 22 Monate: Monatsbasis
  • Das 3. Jahr: Quartalsbasis

Wenn Dir das zu aufwendig ist und Du außerdem keine echten Liquiditätsengpässe erwartest, dann reichen aber auch die nächsten 3 Jahre auf Monatsbasis.

Trotzdem das alles gar nicht so komplex aussieht, passieren immer wieder ein paar Fehler bei der Liquiditätsplanung. Damit Dir diese nicht unterlaufen, habe ich hier mal ein paar typische Fehler für Dich zusammengestellt und erklär Dir direkt, wie Du es besser machst.

Diese Fehler wirst Du bei Deiner Liquiditätsplanung (jetzt) vermeiden

Umsatzträume statt plausible Annahmen
Gerade bei den Umsätzen neigt der Unternehmer häufig dazu, mit der rosaroten Brille zu planen. Zu hoch geplante Umsätze führen dazu, dass auch Deine Liquiditätsplanung viel zu rosig aussieht. Diskutiere Deine Planung mit einer anderen Person. Lass Dir wirklich auf den Zahn fühlen. Es nützt ja doch nichts, wenn Du Dir selbst was in die Tasche lügst....

Netto statt Brutto!
Während zum Beispiel Deine BWA oder GuV nur auf den Nettobeträgen, also exklusive Umsatzsteuer, beruht, darfst Du diese bei Deiner Liquiditätsplanung berücksichtigen. Unbedingt sogar! Bitte rechne für alle umsatzsteuerpflichtigen Ein- & Auszahlungen die Steuer mit ein, denn schließlich überweist Du das Geld ja auch tatsächlich an das Finanzamt. Ich empfehle Dir sowohl für die Umsatzsteuer als auch für die Vorsteuer jeweils eine separate Position in Deinem Liquiditätsplan anzulegen.

Nicht wirklich vollständig!
Kleinvieh macht auch Mist! Es ist wichtig, dass Du in Deiner Liquiditätsplanung wirklich alle Ein- und Auszahlungen berücksichtigt. Auch wenn man schnell mal denken könnte "Ach, die 50 Euro sind jetzt wurscht". Ja, als Einzelbetrag vielleicht, aber wenn Du diesen Gedanken mehrfach zulässt und entsprechend agierst, dann addiert sich schnell ein nettes Sümmchen. Dieses fehlt dann in Deiner Planung und böse Überraschungen drohen. Also: Alles was Du an Ein- und Auszahlungen kennst, gehört in Dienen Liquiditätsplan.

Zahlungsziele werden nicht berücksichtigt
Das Geld landet nicht auf Deinem Konto, wenn Du die Rechnung schreibst. Es fließt auch nicht ab, wenn Du eine Rechnung erhältst. Sondern immer nur dann, wenn Dein Kunde oder Du den Rechnungsbetrag überweist. Klingt banal, ist aber sehr wichtig. Ermittle und berücksichtige das durchschnittliche Zahlungsziel, dass Du Deinen Kunden gewährst. Solltest Du auf eine entsprechende Analyse zurückgreifen können: Schau wann Deine Kunden tatsächlich Deine Rechnungen im Durchschnitt bezahlen und kalkuliere diesen "Verzug" bei Deinen Einnahmen mit ein. Analog verfährst Du mit den Rechnungen, die Du selbst bezahlen solltest.

Privatentnahmen werden vergessen
Dieser Punkt ist besonders für Dich als Selbstständiger relevant. Auszahlungen an Dich selbst, also Dein Gehalt, darfst Du auf keinen Fall vergessen. Das sind sog. Privatentnahmen und sorgen für einen wesentlichen Liquiditätsabfluss. Stell Dir hierfür unbedingt klare Regeln auf, an die Du Dich dann auch hältst!

Berlin wurde auch nicht in einer Nacht gebaut

Keep cool. Dein erster Versuch kann vielleicht etwas holprig werden. Je jünger Dein Unternehmen und je weniger Erfahrung Du selbst hierfür mitbringst, desto schwer sind plausible Annahmen zu finden. Aber das ist egal. Du fängst jetzt an und wirst von Mal zu Mal einfach besser. Das Geheimnis des Erfolges liegt auch hier in der Kontinuität, mit der Du solch strategische Themen angehst. Lass Dich nicht entmutigen.

Liquiditätsplanung als Teil Deines Finanzplans

Ich habe es ja oben schon angedeutet. Die Liquiditätsplanung ist wesentlicher Bestandteil Deiner Finanzsessions. In diesen holst Du Dir Deinen Finanzplan ohnehin auf den Schreibtisch. Teil dieses Finanzplans ist dann auch der Liquiditätsplan. Zumindest wenn Du eine ordentliche Version eines Finanzplans nutzt.

Das hat einen ganz entscheidenden Vorteil für Dich.

In Deinem Finanzplan setzt Du Dich ohnehin mit Deiner Umsatz-, Kosten- & Rentabilitätsplanung auseinander. Wenn Du nun ein gutes Tool, ich empfehle Dir eine gute Excel-Vorlage, nutzt, dann sind diese Rechenwerke direkt miteinander verknüpft und Du musst viele Eingaben nur einmal machen.

Dadurch sparst Du nicht nur viel Zeit, sondern vor allem wird Deine Planung auch viel weniger fehleranfällig.

Die besten Tools für Deinen Liquiditätsplan

Es gibt sehr viele verschiedene Möglichkeiten, wie Du an eine Vorlage für Deinen Liquiditätsplan kommst. Einige von ihnen stehen Dir sogar kostenfrei zur Verfügung. Andere sind kostenpflichtig, dafür dann aber auch sehr professionell. In jedem Fall, wir Deine Arbeit durch solche Vorlagen oder den Einsatz entsprechender Software entsprechend vereinfacht.

Generell bin ich nach wie vor ein großer Fan von Excel-Vorlagen und ich möchte Dir auch dringend empfehlen Deinen Liquiditätsplan als Teil eines umfassenden Finanzplans aufzustellen. Wenn dieser dann noch individuell auf Dein Unternehmen angepasst ist, dann ist das schon mehr als die halbe Miete.

Und wenn Du dann feststellst, dass um Deine Liquidität doch nicht so gut bestellt ist:

3 Quick-Tipps, wenn Du jetzt feststellst, dass Dir Liquidität fehlt

Zahlungsziele & Skonto nutzen
Als Dankeschön für eine schnelle Bezahlung des Rechnungsbetrages gewähren viele Unternehmer ihren Geschäftspartnern Skonto, wenn sie innerhalb von 7-10 den fälligen Betrag überweisen. Nutze dies aus. Ansonsten rate ich Dir anzugewöhnen, dass Du die Zahlungsziele immer voll ausnutzt.

Sprich mit Deiner Bank
Wenn Du Kredite laufen hast, dann zählen die Monatsraten zu Deinen Fixkosten. Aber gerade, wenn Du mit Deinem Finanz-/Liquiditätsplan frühzeitig zu Deiner Bank gehst, so gibt es häufig die Möglichkeit, die monatliche Rate zu reduzieren und dafür die Laufzeit zu verlängern.

Verträge überprüfen
Ich empfehle meinen Kunden generell eine sog. Vertragsübersicht zu führen. In dieser werden dann alle abgeschlossenen Verträge aufgenommen, incl. Zahlbetrag und Kündigungsfristen. Prüfe ob Du einen Teil Deiner Verträge laufenden Verträge kündigen kannst, wenn Du die Gegenleistung nicht unbedingt benötigst.

Bonus-Tipp: Frag' Dich bei jeder Ausgabe, ob diese wirklich für den Fortbestand/die Weiterentwicklung Deines Business notwendig ist, oder ob Du den Gegenwert einfach nur haben willst.

Bleib' erfolgreich!


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