Steuern für Selbstständige - warum der Fluch eigentlich ein Segen ist
Liquiditätsplanung

Folge 05:

Steuern für Selbstständige - warum der Fluch eigentlich ein Segen ist

Viele sagen, Steuern sind so unsexy wie nichts Zweites, ein echter Fluch, der vor allem viel Bürokratie verursacht.

Ich aber sage, dieser Fluch ist doch eigentlich ein Segen.

Du denkst, ist der Roos doof?

Nö! Warum ich das sage, ​erkläre ich Dir ​in dieser 5. Folge des „Zahlen im Griff Crashkurses“​.

Die Crux mit den Steuern für Selbstständige

Apropos trockene BWL-Theorie, ich weiß, der eine oder andere wird jetzt denken: "Steuern, noch trockener geht's nicht!"

Vergiss das! So schlimm sind Steuern gar nicht. Je nachdem, wie man auf das Thema blickt können sie sogar ganz cool ist.

Gerade für Dich als Selbstständigen! Es gibt im Grunde nur 3 Steuerarten, über die wir uns unterhalten müssen und genau das ziehen wir jetzt hier durch.

Okay?

Umsatzsteuer – so geht’s! 

Fangen wir an mit der 1. Steuer​ - die Umsatzsteuer.

Das ist eigentlich eine Steuer, die vom Endverbraucher zu bezahlen ist und für Dich als Unternehmer „nur“ ein durchlaufender Posten ist.

Umsatzsteuer ist der Unterschied, wenn viele von Netto und Brutto reden, dann meinen sie nämlich:


Brutto, wenn die Umsatzsteuer drin ist und

​Netto, wenn die Umsatzsteuer herausgerechnet wird.

Und wenn wir als Unternehmer über Zahlen reden und erst recht, wenn wir Analysen erstellen, dann ist für uns immer NETTO relevant.

Immer. Ohne Ausnahme!

Das merke Dir schon mal direkt.

Warum das so ist?

Wir haben immer nur die Netto-Werte im Kopf, weil das eben für uns einfach ein durchlaufender Posten ist.

Was ist Umsatzsteuer?

Umsatzsteuer sagt es ja schon, hier wird Dein Umsatz besteuert. Was das ist, das habe ich Dir schon in Folge 2 erklärt. Wenn Du die noch nicht gehört oder gelesen hast, dann spring vielleicht ​nochmal ​zurück.

Es gibt einen riesengroßen Vorteil bei der Umsatzsteuer.

Welcher?

Naja, ist total einfach zu berechnen.

Am Ende gibt es Steuersätze, die Du grob draufhaben musst und da gibt’s auch nicht so wahnsinnig viele.

Es gibt einmal die 19 Prozent, das ist dieser Regelsteuersatz, der gilt jetzt im Jahr 2018, das ändert sich von Jahr zu Jahr immer mal wieder.

Und dann gibt es einen sogenannten ermäßigten Steuersatz. Ich kann mich noch an die Zeit erinnern, da war das der halbe Steuersatz, das heißt, da war die Umsatzsteuer bei 14 Prozent. Jedenfalls ist der ermäßigte Steuersatz jetzt 7 Prozent aktuell.

Wofür gilt der ermäßigte Steuersatz?

Naja, der gilt zum Beispiel für so Sachen wie

  • für Hotelübernachtungen,
  • für Lebensmittel,
  • für Tickets, die du für irgendwelche Konzerte kaufst oder auf Weiterbildungsveranstaltungen.

Dann gibt es auch noch einen Umsatzsteuersatz, in Höhe von 0 Prozent. Da zahlst Du also gar keine Umsatzsteuer oder besser gesagt, Du führst überhaupt keine Umsatzsteuer ab. Das ist für Dich besonders relevant, wenn du Kunden im Ausland hast.

Denn die Umsatzsteuer ist eben eine deutsche Steuer und wenn Du nun ausländische Kunden hast, dann verrechnest du deine Leistungen mit einem Umsatzsteuersatz von 0 Prozent.

Neben Geschäftsbeziehungen mit ausländischen Partnern, gilt dies auch z.B. für Versicherungen oder im Rahmen des See- und Luftverkehrs.

Diese Liste ist jetzt bei weitem nicht vollständig, aber ich glaube, du kriegst so ungefähr eine Vorstellung, worauf Du da achten solltest.

Dann gibt es noch, jetzt mal zumindest, um es erwähnt zu haben, einen Satz von 10,5 beziehungsweise 5,5 Prozent. Dieser gilt für land- und forstwirtschaftliche Betriebe. Ich gehe jetzt einfach mal davon aus, das betrifft Dich eher weniger.

Wie gelangt jetzt die Umsatzsteuer zum Finanzamt, an die Du das berichten musst?

Dafür ist die sogenannte Umsatzsteuervoranmeldung gedacht.

Wenn Du mit einem Steuerberater zusammenarbeitest, hast Du davon bestimmt schon mal gehört.

Die Umsatzsteuervoranmeldung erfolgt in der Regel monatlich, beziehungsweise quartärlich, je nachdem, wo du gerade mit Deinem Unternehmen stehst, in welcher Phase Du bist, ist das eine monatliche Aufgabe oder eine vierteljährliche Aufgabe.

Dort machst Du nichts anderes als die eingenommene Umsatzsteuer, also die Steuer, die Du von Deinen Kunden über Deine Rechnung eingezogen hast, zu nehmen und davon die Umsatzsteuer abzuziehen, die Du selbst gezahlt hast, wenn du nämlich Ware gekauft hast.

Also: Auf der einen Seite schreibst Du Rechnungen für Deine Dienstleistungen oder Deine Produkte an Deine Kunden und auf der anderen Seite kaufst Du ja auch Sachen und Dienstleistungen ein (Computer, Marketing-Maßnahmen, Büromaterial, etc.).

Dafür zahlst Du entsprechend Umsatzsteuer. In diesem Fall sagt man dazu auch Vorsteuer und diese wird gegen die vereinnahmte Umsatzsteuer gerechnet. Nur die Differenz zwischen eingenommener und gezahlter Umsatzsteuer wird dann an das Finanzamt gemeldet. Diese Differenz zahlst Du dann tatsächlich an das Finanzamt.

Übrigens. Es ​gibt auch ​den Fall, dass ​die Vorsteuer höher ist als die eingenommene Umsatzsteuer. Dann erstattet Dir das Finanzamt auch Geld zurück. Das kann für Dich besonders in der Anfangsphase Deines Unternehmens eine spannende Neuigkeit sein.

Umsatzsteuer-Voranmeldung – da sagt ja schon das Wort, das dies nichts endgültiges ist, oder?

Im Rahmen ​des Jahresabschlusses machst Du dann auch die sogenannte finale Umsatzsteuererklärung.

Das ist dann wirklich der Punkt, wo Du dem Finanzamt offiziell meldest: So, ich habe mir jetzt alles in meinem Business angeguckt, das ist mein Jahresabschluss, der ist fertig und folgender Umsatzsteuersaldo ergibt sich hieraus.

Das es dabei dann schon mal zu leichteren Abweichungen zu der Summe der Voranmeldungen kommen kann, ist auch nicht weiter schlimm. Aber ungefähr sollte der Wert ​natürlich schon stimmen.

Soviel zur Umsatzsteuer. Ist gar nicht so schlimm oder?

Gewerbesteuer – für wen ist das relevant?

Die Gewerbesteuer ist dann für Dich interessant, wenn Du mit Deinem Business ein Gewerbe betreibst. Denn besteuert wird hier ​der Gewerbeertrag.

Was ist der Gewerbeertrag?

Naja, das ist erstmal dein Betriebsgewinn. Es gibt so ein paar kleinere Anpassungen, aber das ​lassen wir jetzt mal.

Die zentrale Frage ist aber: Betreibst du ein Gewerbe oder betreibst du kein Gewerbe?

Wenn du ein Unternehmen angemeldet hast, dann wird Dir diese Frage schon gestellt worden sein. Du wirst nämlich entweder einen Gewerbeschein haben, und bist somit Gewerbesteuerpflichtig, oder Du hast eben keinen.

Ich kenne viele Unternehmer die investieren sehr viel Zeit darin, einen Weg zu finden, wie sie um das Thema „Gewerbe“ herumkommen. Sie wollen halt die Steuer sparen. Nicht immer ist das aber sinnvoll investierte Zeit.

Wann bist du auf jeden Fall Gewerbetreibender?

Ich weiß, das ist nicht hundertprozentig stringent. Wenn ich ganz Deutschland mir angucke, dann entscheidet das eine Finanzamt so, und andere urteilen anders.

Das liegt wahrscheinlich daran, dass die Gewerbesteuer eine Gemeindesteuer ist, so dass von Bundesland zu Bundesland so ein bisschen unterschiedlich eingestuft wird.

Entscheidend ist die Antwort auf die Frage: Werden Produkte verkauft, beispielsweise Online-Produkte?

Das könnte ein Signal sein, dass du ein Gewerbe treibst.

So war es bei mir.

Ich habe Excel-Vorlagen, die ich verkauft habe - entsprechend betreibe ich ein Gewerbe. Das können aber auch eBooks sein, das können Kurse sein. Was es eben ist, das ist egal, diskutiere das mit deinem Finanzamt, mit dem Gewerbeamt und dann weißt du zumindest, womit du rechnen solltest.

Wie wird die Gewerbesteuer jetzt berechnet?

Das ist schon ein bisschen komplexer als die Umsatzsteuer, aber so schlimm ist das auch nicht.

Ausgangspunkt ist der Betriebsgewinn, den Du sowieso ermittelst und dann hast Du einen Freibetrag von 24.500 Euro, den Du von Deinem Gewinn abziehen darfst.

Geht doch schon mal gut los, oder?

Also ist der Betriebsgewinn kleiner als 24.500 Euro, bist Du sowieso erst mal fein raus. Zumindest musst Du keine Gewerbesteuer zahlen, obwohl Du eigentlich in der Verpflichtung stehst.

Wenn Du als von Deinem Betriebsgewinn diesen Freibetrag abziehst, erhältst Du den sogenannten zu versteuernden Gewinn.

Also nehmen wir jetzt an, Du hast 30.000 Euro als Betriebsgewinn, ziehst davon die 24.500 Euro ab, dann hast Du einen zu versteuernden Gewinn von 5.500 Euro.

Den zu versteuernden Gewinn in Höhe von 5.500 Euro darfst Du jetzt mit der so genannten Steuermesszahl multiplizieren. Die ist in jedem Bundesland mit 3,5 Prozent gleich hoch.

Das Ergebnis dieser Multiplikation nennt man dann Steuermessbetrag und der wird dann noch mit einem Hebesatz multipliziert. Der wird jetzt von der Gemeinde festgelegt, wo Dein Unternehmen zugerechnet wird und kann innerhalb Deutschland sehr unterschiedlich ausfallen. Bei uns in Haltern sind das 600 Prozent. Das ist relativ viel.

Du erhältst dann jedenfalls den Steuerzahlbetrag, den Du wirklich überweisen musst.

Die Gewerbesteuer bei Selbstständigen – Achtung Sonderregelung

Aber, großes Aber:
Gerade für Dich als Selbstständiger ist es so, wenn ​Du Einzelunternehmer bist und keine GmbH oder sowas gegründet hast, dann ist die Gewerbesteuer nämlich zumindest in großen Teilen anrechenbar auf die Einkommensteuer, die Du ja noch zusätzlich zahlen darfst.

Da gibt es eine Regelung, dass dieser Steuermessbetrag, in unserem kleinen Beispiel waren das diese 5.500 Euro, die Du mal 3,5 Prozent gerechnet hast, mit 380 Prozent multipliziert wird. Das Ergebnis ist Dein Freibetrag, den Du von Deiner Einkommenssteuer wieder abziehen darfst.

Du darfst also Deine Gewerbesteuerzahlung in großen Teilen von Deiner Einkommenssteuerzahlung abziehen. Sie wird Dir also „angerechnet“.

Deswegen ist das alles gar nicht so schlimm, weil die 600 Prozent, die ich jetzt hier in Haltern zahlen darf, die sind schon ziemlich heftig. Häufig ist das so ein Betrag zwischen 200 und 500 Prozent, der als Hebesatz der Gemeinde herangezogen wird. Da siehst Du, dass die 380 Prozent (Höhe des Freibetrags) schon sehr nah an Deiner Gewerbesteuer-Zahllast liegen.

Einkommenssteuer – oder alle guten Dinge sind 3!

Einkommensteuer, das ist auch schon die 3. Steuerart, über die wir reden möchten. Natürlich ist das gar keine Betriebssteuer, sondern eine private Steuer, die von der Höhe des sogenannten zu versteuernden Einkommen abhängt.

Du darfst ab einem Einkommen von ca. 8.600 Euro die Einkommenssteuer zahlen. Dann hast Du so 6 Prozent als Einkommenssteuersatz. Dieser Satz steigt dann mit Deinem Einkommen und ab 53.666 Euro beträgt dieser dann im Jahr 2018 42 Prozent.

Die Grenzwerte, aber auch die Prozentwerte, werden immer mal wieder angepasst. Momentan gibt es eine Tendenz, dass diese leicht sinken.

Wenn wir jetzt davon ausgehen, dass Du als Selbstständiger mit Deinem Business die einzige Einnahmequelle hast, dann ist jetzt die Frage, was ist jetzt das zu versteuernde Einkommen?

Das ist im Wesentlichen erst mal dein Betriebsgewinn aus Deiner GuV oder BWA, denn dieser wird dann als Einkommen gewertet.

Jetzt nehmen wir also einfach mal an, für Dich als Selbstständiger gilt, dass Dein Business die einzige Einnahmequelle ist.

Das bedeutet auch, dass Dein Betriebsgewinn​, genauer gesagt Deinem Gesamteinkommen, entspricht. Solltest Du Einkommen aus Vermietung, Verpachtung, vielleicht noch Nebenjobs oder ähnlichem haben, dann solltest Du diese zu Deinem Betriebsgewinn als Einkommen addieren.

Wie das genau geht, da gibt es die Folge 6 und die Folge 7 zu, wo ich Dir mehr zu dem Thema Gewinnermittlung mit BWA und GuV erzähle.

Was solltest Du unbedingt zu Einkommenssteuer wissen?

Da die Einkommensteuer von vielen Selbstständigen quartärlich im Voraus bezahlt wird, solltest Du entsprechende Rücklagen bilden und Du solltest wissen, dass die Endabrechnung am Jahresende mit deiner Einkommenssteuererklärung erfolgt.

Also ähnlich wie bei der Umsatzsteuervoranmeldung leistet Du auch hier eine Vorauszahlung und zwar jedes Quartal. Und am Jahresende machst Du ​Deine finale Steuererklärung.

Jetzt steht aber noch der Elefant im Raum, warum ich mich erdreiste zu sagen: 

Steuern sind doch gar kein Fluch

Du erinnerst dich daran?

Auch auf die Gefahr, dass Du mich für komplett verrückt hältst. Ich bin ja sogar der Meinung, es ist ein Segen.

Warum?

Naja, für mich sind da zwei, drei Argumente besonders wichtig.

Das eine ist: Mindset

Jetzt denke doch mal drüber nach.

Natürlich ist es doof, wenn wir Geld überweisen und mir geht es noch nicht einmal darum, dass mit den Steuern hoffentlich Dinge, die fürs Allgemeinwohl gut sind, bezahlt werden. Auf diese Diskussion, möchte ich hier gar nicht hinaus.

Nein, mir geht es darum: Je mehr Steuern du zahlst, desto besser läuft doch auch Dein Business.

Das ist doch eigentlich der Fokus. Zumindest sollte er das sein.

Je mehr Steuern du zahlst, desto erfolgreicher bist Du eigentlich. Das heißt auch, wenn Du viele Steuern zahlst, bist Du verdammt erfolgreich.

Das ist doch ein Segen. Oder ist es das nicht?

Das andere ist, du kannst Steuern wirklich gut berechnen.

Steuern, das ist keine Geheimniskrämerei und auch keine Wundertüte. Vielmehr kannst Du diese Zahlung relativ gut berechnen. Also Pi mal Daumen halt, sodass Du keine großen Risiken hast, die Dich irgendwann komplett umhauen.

Und für wie viele Risiken oder Zahlungen kannst Du das in Deinem Business sagen? Mir fallen da nicht so wahnsinnig viele ein.

Mit Rücklagen, die Du für Deine Steuern bildest, kannst Du das Thema Steuern zu einem reinen buchhalterischen Prozess minimieren. Cool, oder?

Möchtest Du noch einen 3. Grund, warum ich finde, Steuern sind eigentlich ein Segen?

Na gut. Weil sie uns Unternehmer am Ende noch dazu zwingen, dass wir uns mit unseren Zahlen überhaupt beschäftigen.

Ich bin mir sicher, sonst würden das noch viel weniger machen und was würden wir alles für Möglichkeiten auf der Straße liegen lassen, weil wir uns mit unseren Zahlen nicht beschäftigen.

Hand auf’s Herz: Wie sieht das bei Dir aus?

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