Wie der Break-Even-Point Dir hilft, Krisen zu meistern und zu verhindern

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Ich bin mir 100% sicher, dass Du den Begriff "Break-Even-Point" schon mal gehört hast. Vermutlich hast Du auch eine Vorstellung, was "Break-Even" bedeutet. Aber weißt Du auch, wie Du diesen Punkt berechnest? Bist Du sattelfest, wie Du die Kenntnis dieses Punktes für Deine Unternehmenssteuerung einsetzen kannst?

Du zuckst etwas? Dann ist diese Folge für Dich.....

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Was ist der Break Even Point?

Ins Deutsche übersetzt bedeutet Break-Even-Point "Gewinnschwelle" und er beschreibt damit genau den Punkt, an dem ein Unternehmen genauso viel Umsatz erzielt, dass die Kosten gerade gedeckt sind. Jeder weitere EURO Umsatz bedeutet dann echten Gewinn für Dein Unternehmen. Oft wird dieser Punkt auch verkürzt einfach nur "Break-Even" genannt.

Mit dieser Kalkulation kannst Du also ermitteln, ob eine Geschäftsidee, ein Produkt oder eine Investition wirtschaftlich sinnvoll angeboten wird, sprich, ob Du damit Geld verdienst oder verbrennst.

In jedem Unternehmen fallen zunächst einmal fixe Kosten an. Also z.B. Kosten für Büro, Lagerhallen, Personal, Versicherungen, etc. Diese Kosten verändern sich immer gleich hoch und fallen unabhängig vom Umsatz an. Dann haben wir Kosten, die proportional mit dem Umsatz steigen. Zum Beispiel die Umsatzkosten, also Dein Wareneinsatz, oder auch mögliche Transportkosten. (⇒ vgl. Episode 03: Kosten oder Investition)

Ich habe Dir diesen Zusammenhang grafisch aufbereitet:

kostenypen


Wie berechnest Du den Break-Even-Point?

Es gibt eine relativ einfache Formel, mit der Du auch für Dein Unternehmen die Gewinnschwelle berechnen kannst. 

So berechnest Du den Break-Even-Point (BEP) oder die Gewinnschwelle:

BEP = Absatz x Preis – Absatz x variable Kosten – Fixkosten

Als Ergebnis erhältst Du einen EURO-Betrag, den Du als Umsatz erreichen darfst, um mindestens alle Deine Kosten zu decken.

Gerade wenn wir physische Produkte herstellen und verkaufen, wollen wir oft gar nicht den EURO-Betrag, sondern die Menge wissen, die produziert werden muss, um kostendeckend anbieten zu können. Natürlich lässt sich diese Gewinngrenze ebenso kalkulieren.

Rechne dafür:

Absatz Gewinnschwelle = Fixkosten / (Preis – variable Kosten)


BEISPIEL BREAK-EVEN-ANALYSE:

Verkauf einer Teemischung zur Verbesserung des Immunsystems

Gerade in CORONA-Zeiten ist es wichtig, das eigene Immunsystem in Schuss zu halten. Auf Basis der Fachkenntnisse hat Ute für Ihren Tee-Online-Shop eine neuartige Mischung zusammengestellt, die gut schmeckt und gleichzeitig das Immunsystem stärkt.

Als Fixkosten für den Shop fallen an:

  • Küchenwerkzeuge
  • Lager
  • Webseite
  • Werbung
  • Ute's Gehalt

Variable Kosten ergeben sich aus den Bestandteilen des Tees (Material), Verpackung, Online-Marketing und Versand.

Da Ute weiß, dass der Teekauf auch saisonalen Schwankungen unterliegt, entscheidet sie sich dazu, die Break-Even-Analyse für das Gesamtjahr zu erstellen. Auf Basis eines Finanzplans hat sie für Ihr Business folgende Werte ermittelt: 

  • Fixkosten pro Jahr: 45.800 Euro
  • variable Kosten pro Verpackungseinheit: 1,25 Euro
  • geplanter Verkaufspreis pro Dose: 4 Euro

Sie berechnet den Break-Even-Absatz als die Anzahl der Dosen, die Sie pro Jahr mindestens verkaufen muss, damit Sie einen Gewinn erzielt und sich Ihr Gehalt bezahlen kann:

  • Absatz Gewinnschwelle = Fixkosten / (Preis – variable Kosten)
  • Absatz Gewinnschwelle = 45.800 Euro / (4 Euro/Stück – 1,25 Euro/Stück)
  • Absatz Gewinnschwelle = 16.655 Stück

Falls diese Teesorte die einzige wäre, dann müsste Ute pro Jahr mindestens 16.655 Stück verkaufen, damit Ihr Unternehmen keinen Verlust macht.

An dieser Stelle würden sich jetzt eine Menge Fragen für Ute ergeben. Vor allem wird es darum gehen, was notwendig ist, um diese Menge wirklich zu verkaufen und was mit der Menge passieren würde, wenn sie den Verkaufspreis erhöhen und/oder die Kosten senken könnte. Vermutlich würde sie verschiedene Szenarien durchrechnen und sich dann für eine Variante entscheiden.

Der Break-Even-Point in Krisenzeiten

Gerade in Krisenzeiten ist es wichtig, dass wir uns klarmachen, mit welchen Produkten wir wirklich Geld verdienen. Nur wenn wir diese Klarheit haben, können wir auch entscheiden, wie wir weitermachen wollen und einen Weg finden, der uns wieder zurück in die Erfolgsspur führt.

Ich empfehle Dir also, dass Du für Dein Unternehmen insgesamt, aber auch für Deine wichtigsten Produkte den Break-Even-Point kalkulierst. Wissen ist besser als Glauben - denn wer glaubt zu wissen, wird oft vom Leben überrascht. Und gerade unangenehme Überraschungen können wir uns in dieser Phase nicht erlauben.

Wie kannst Du Deinen Break-Even-Point senken?

Es kann sein, dass Du bei der Kalkulation der Gewinnschwelle für einzelne Produkte ein Ergebnis erhältst, von dem Du weißt, dass es aktuell unerreichbar ist. Das Marktumfeld gibt einfach dieses Potenzial gar nicht her. Was tun?

Überlege, ob es möglich ist, dem Produkt ein paar Features, Merkmale, Eigenschaften zu entziehen, die der Kunde eventuell gar nicht in dem Maße wertschätzt, wie Du vielleicht denkst.

Vielleicht kannst Du eine Kunden-Umfrage starten, um die MUST-HAVE-Features von den NICE-TO-HAVE-Features zu unterscheiden. Wenn Du die NICE-TO-HAVE-Features dann weglässt, sollten auch die Kosten und somit die Gewinnschwelle sinken.

Aber auch anders herum kann ein Schuh daraus werden. Denn eventuell kannst Du Features oder Services hinzufügen bzw. verändern, um das Produkt so für eine zusätzliche Zielgruppe interessant zu machen. Auf diese Weise würdest Du zwar weder Kosten noch den Break-Even-Point senken, aber Du könntest die verkaufte Menge (also den Absatz) steigern und somit wieder in die Gewinnzone kommen.

Gerade bei nicht zufriedenstellenden Kalkulationsergebnissen möchte ich Dir nahelegen, Dein Team mit in die Überlegungen einzubeziehen. Oft schlummern hier ungenutzte Ideen, die bei Deinen Produkten den Unterschied bedeuten können.

Viel Erfolg!

bleib' erfolgreich!

Jörg Roos

Ich unterstütze Solo-Selbständige & Geschäftsführer kleinerer Unternehmen, die ihre Finanzen verstehen und Geldprobleme vermeiden wollen. Mit Bauchgefühl und den eigenen Zahlen schaffen wir die perfekte Entscheidungsbasis und ermöglichen so ein finanziell stabiles Unternehmen, das auch für Krisenzeiten gewappnet ist.


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