BWA: Alles was Du als Unternehmer wirklich dazu wissen möchtest

BWA: Alles was Du als Unternehmer wirklich dazu wissen möchtest

Es ist morgens 8 Uhr. Du fährst den Computer hoch. In der Zwischenzeit holst Du Dir noch schnell einen Kaffee und setzt Dich gut gelaunt vor Deinen Rechner. Heute ist ein guter Tag. Du bist gut aus den Federn gekommen und erwartest heute ein paar tolle Fortschritte bei Deinen Projekten zu machen. Wie jeden Morgen öffnest Du als erstes Dein Mail Programm.

Und schon sinkt Deine Laune. Es ist schon wieder soweit. Da ist die mail, die Du eigentlich gar nicht magst. „BWA Oktober 2019“, so lautet die Betreffzeile. Schöne Grüße von Deinem Steuerberater. 🙂

Was Du jetzt auf keinen Fall tun solltest:

  • Die eMail löschen.
  • Den Inhalt auf den Stapel „mach’ ich irgendwann!“ legen.

Solltest Du noch keinen wöchentlichen Termin für Finanzthemen in Deinem Kalender haben, dann such Dir in den nächsten 2-3 Tagen ein Zeitfenster von rund 60 Minuten. In dieser Zeit wirst Du dann die BWA detailliert durchgehen und prüfen.

Solltest Du noch unsicher sein, worauf Du denn genau achten solltest, dann wird dieser Artikel Dir sehr wichtige Erkenntnisse schenken. Lass uns also keine Zeit verlieren.

Tipp:
In dieser Podcast-Folge habe ich die nächsten beiden Abschnitte auch schon mal besprochen:

BWA, was ist das überhaupt?

Zunächst mal, BWA steht für betriebswirtschaftliche Auswertung und ist am Ende nichts anderes als der Ergebnisbericht, der die Einzahlungen und Auszahlungen des zurückliegenden Monats berücksichtigt.

Strenggenommen, ist dies nur die halbe Wahrheit – aber eben der Teil, den fast alle Unternehmer kennen.

Denn eigentlich ist dieser Ergebnisbericht, den wir etwas präziser als kurzfristige Erfolgsrechnung bezeichnen möchten, nur 25 Prozent der eigentlichen BWA.

Deine BWA VERRÄT DIR VIEL MEHR,
Als WIEVIEL GEWINN DU GEMACHT HAST!

Finde heraus, wie gut Du bereits Deine BWA verstehst und worauf Du achten solltest, wenn Du mehr Gewinn machen möchtest, der dann auch auf Deinem Konto ankommt!

Denn formal richtig – also im Buchhaltungsfachchinesisch ist der Begriff BWA ein Oberbegriff, der für insgesamt 4 Berichte steht.

  1. 1
    Summen & Saldenliste Deiner Sachkonten
  2. 2
    Summen & Saldenliste Deinen Kunden & Lieferanten
  3. 3
    Offene-Posten-Liste der Ein- & Ausgangsrechnungen
  4. 4
    Kurzfristige Erfolgsrechnung (Ergebnisbericht)

Die BWA als Erfolgsrechnung

Im unternehmerischen Alltag wird aber eben in der Regel nur dieser 4. Punkt Monat für Monat mit dem Begriff BWA verknüpft.

Normalerweise bekommst Du die monatliche Erfolgsrechnung von Deinem Steuerberater. Dein unternehmerischer Erfolg am Jahresende ist die Grundlage für die Steuerberechnung, weshalb er diese Analyse im Rahmen des Jahresabschlussarbeiten erstellt. Sofern Du mit Deinem Steuerberater keine besondere Absprache für einen „ordentlichen Monatsabschluss" getroffen hast (und dafür entsprechend zahlst), schickt er Dir also diesen Monatsbericht als Service-Dienstleistung frei Haus. Ein toller Service, aber wie Du später erfahren wirst, solltest Du die enthaltenen Daten richtig deuten.

Da jeder Unternehmer die Erfolgsrechnung Monat für Monat erhält und diese sehr oft auch der einzige Bericht ist, der über die wirtschaftliche Situation des Unternehmens informiert, ist dies ein sehr wichtiger Bericht. Ich sage auch gerne, über diesen Bericht spricht das Unternehmen mit seiner Unternehmerin / seinem Unternehmer.

Über diese monatliche Erfolgsrechnung möchte das Unternehmen gerne informieren, wie gut die Einnahmen (Umsätze) im abgelaufenen Monat waren und ob die Ausgaben (Kosten) höher oder niedriger als die Einnahmen waren.  

Waren die Umsätze größer als die Kosten, hast Du mit Deinem Business Gewinn erwirtschaftet. Waren die Kosten höher als Deine Umsätze, dann hast Du einen Verlust erzielt. Spätestens dann wird es Zeit für eine Ergebnisanalyse.

Ich habe Dir ja schon weiter oben erzählt, dass die monatliche BWA in vielen Fällen eher ein kostenloser Service des Steuerberaters ist. Das was viele Unternehmer da in geliefert bekommen, ist nämlich eine „BWA out of the box“ (weil diese einfach aus den Datenstand laut Buchungssystem darstellt) und keine seriöse betriebswirtschaftliche Erfolgsanalyse. In diesen Fällen steckt der Steuerberater also keinen besonderen Gehirnschmalz in die monatliche BWA – denn dafür wird er zumeist auch nicht bezahlt.

Übrigens: Manchmal wird die BWA auch Einnahmeüberschussrechnung genannt. Du darfst beide Begriffe als Synonym benutzen. Denn im Grunde beschreiben sie Beide dasselbe. Die Unterschiede sind typisches Buchhaltungs-Fachchinesisch und damit möchte ich Dich nicht irritieren.

Die BWA Ist Deine „Anzeigetafel“

Stell Dir das mit Deiner BWA einfach vor, wie eine Anzeigetafel beim Fußballspiel.

In jedem Stadion, auf jedem Fußballplatz gibt es irgendwo eine Anzeigetafel (heute ist das in der Regel eine Videoleinwand). Hier erfahren Sportler und Zuschauer, wie der Spielstand ist und wieviel Zeit noch ist, bis das aktuell laufende Spiel zu Ende ist.

Und genau das zeigt Dir eben Deine BWA für Dein Business. Hier kannst Du Monat für Monat ablesen, wie es in Deinem Spiel steht. Klar, auch Dein Business ist nichts anderes als ein Spiel – es ist ein intellektuelles Spiel, dass Du gewinnen und verlieren kannst. Das aktuell laufende Spiel ist Dein Geschäftsjahr und der Gewinn oder Verlust ist Dein Spielstand.

Findest Du dieses Bild nicht auch sehr passend?

Das Zu- oder Abflussprinzip: So kommen die Daten in Deine BWA

Deine Monats-BWA wird nach dem sog. Zu- oder Abflussprinzip erstellt.

Zu- oder Abflussprinzip meint eigentlich nichts anderes, dass genau die Positionen bei der Aufstellung der BWA berücksichtigt werden, die innerhalb eines Monats auf Deinem Geschäftskonto als Geld zu- oder abgeflossen sind.

Jedes Mal wenn Du eine Rechnung bezahlst, wird auch Geld von Deinem Konto abgebucht (Geld fließt ab) und Du hast Kosten, die in Deiner Erfolgsanalyse berücksichtigt werden. Sobald ein Kunde eine Rechnung bezahlt, die Du ihm gestellt hast, erhöht sich Dein Kontostand. Es fließt Geld zu und Du hast Umsatz realisiert. Auch der wird in Deiner BWA für denselben Monat entsprechend auftauchen.

Es geht also nur darum, wie viele Einzahlungen, wie viele Auszahlungen sind tatsächlich vorgenommen worden.

Und jetzt überleg mal: Wie häufig passiert es, dass eine Buchung, die eigentlich für den Monatsersten geplant ist, bereits am 28. erfolgt oder eine Buchung, die eigentlich 28. sein soll, erst am 2. auf Deinem Bankkonto gebucht wird?

Stimmt. REGELMÄSSIG!

Was ist im privaten Umfeld völlig egal ist, kann für betriebliches Monatsergebnis tödlich sein. Denn allein durch diese Buchungspraxis, kann ein Betrag in Deinem Monatsergebnis fehlen oder er ist doppelt berücksichtigt.

Denn wenn am 28. etwas abgebucht werden soll und es wird aber am 1. oder 2. abgebucht und dann zusätzlich noch am 28., dann hast Du es in diesem Monat doppelt drin und in einem anderen Monat gar nicht.

Doof, oder? Das ist einer der Gründe, warum eine BWA out oft he box mit Vorsicht zu lesen ist.

Deine BWA ist ein wichtiger Schlüssel zu mehr Gewinn. Wie gut verstehst Du Deine BWA? 

Der Aufbau Deiner BWA

Lass uns jetzt mal anschauen, wie eine BWA grundsätzlich aufgebaut ist.

Grundsätzlich gibt es unterschiedliche „Ordnungsprinzipien“. Hier in Deutschland wird ganz häufig das sogenannte Gesamtkostenverfahren angewendet, nachdem die betriebswirtschaftliche Auswertung strukturiert wird.

Nur damit Du den Begriff mal gehört hast: Die Alternative zum Gesamtkostenverfahren heißt Umsatzkostenverfahren. Da dieses in Deutschland eher wenig benutzt wird, blenden wir die Unterschiede hier in diesem Artikel einfach mal aus und konzentrieren uns auf das Gesamtkostenverfahren (GKV).

Nach dem GKV fängt eine BWA oben mit dem Umsatz an, und zwar mit dem Nettoumsatz, also ohne Steuern.

Apropos:
Ganz wichtig: Alle Werte in einer BWA werden NETTO, also exklusive der Umsatzsteuer, ausgewiesen!

Vom Umsatz werden dann Rabatte, Skonti abgezogen, bis es dann wirklich zu dem Erlös kommt, den Du von Deinem Kunden aufs Konto überwiesen bekommen hast.

Wenn Du mit Deinem Unternehmen physische Produkte verkaufst, dann folgt nun eine Position Materialkosten. Das sind genau die produktbezogenen Kosten, um Dein Produkt verkaufen zu können. (Einkauf von Komponenten zum Beispiel).

Wenn Du von Deinen Umsätzen diese produktbezogenen Kosten abziehst, erhältst Du eine sehr wichtige erste Erfolgskennzahl. Diese wird leider nicht in jeder BWA ausgewiesen, gehört aber nach meiner Auffassung unbedingt dort rein. Ich meine den Rohertrag, oder Deckungsbeitrag.

Danach folgen Abschreibungen, sonstiger betrieblicher Ertrag, Personalkosten und alle anderen Kosten, die anfallen, um Dein Business grundsätzlich aufrecht zu halten. Dazu gehören z.B. Miete, Werbung, Computer, Telefon etc. Oft werden diese „anderen“ Kosten als „sonstiger betrieblicher Aufwand“ bezeichnet.

Danach folgt dann eine ganz zentrale Gewinngröße, nämlich das operative Ergebnis. Hier werden also vom Rohertrag alle o.g. Kosten abgezogen.

Dieser Erfolgskennzahl solltest Du unbedingt regelmäßig etwas Aufmerksamkeit schenken. Denn sie sagt Dir, wie erfolgreich Dein eigentliches Geschäft ist.

Denn danach kommen „nur“ noch Zinsen und Steuern und diese haben nur indirekt etwas mit Deinem Tagesgeschäft zu tun. Sie gehören eher zu den „lästigen“ Begleitumständen.

Die letzte Zeile weist dann den sogenannten Bilanzgewinn aus, der manchmal auch als Gesamtgewinn bezeichnet wird.

Ausschnitt aus meinen WEBINAR: "BWA - lesen.verstehen.nutzen"

Die 3 häufigsten Fehler in Deiner BWA

​Ok, spätestens jetzt weißt Du, wie eine BWA aufgebaut ist. Eigentlich ziemlich easy und logisch, oder?

Aber, was kann daran jetzt falsch sein?

GANZ WICHTIG: Wenn eine BWA Fehler enthält, dann liegt das in der Regel nicht daran, dass Dein Steuerberater schlechte Arbeit macht. Es liegt viel mehr daran, dass ihm die Zeit fehlt bzw. Jetzt gerade nicht der richtige Zeitpunkt dafür ist, sich umfangreiche und detaillierte Gedanken nur zu Deiner persönlichen BWA zu machen.

Dein Steuerberater hat viele Mandanten und noch viel mehr Steuergesetze zu betreuen. Alles ändert sich ständig. Und außerdem ist die monatliche BWA für Deine Steuern nicht besonders relevant…

Daher wird auch er Dir sehr dankbar sein, wenn Du Dich intensiver mit der BWA beschäftigst.

Es geht mir also nicht darum, Dich auf mögliche „handwerkliche Fehler“, wie falsche Summen oder Prozentwerte hinzuweisen. Ich möchte Dich vor allem ermutigen zu prüfen, ob alle Erlöse- & Kostenpositionen periodengerecht, also jeweils im richtigen Monat, erfasst wurden.

Nur wenn alle Positionen dem richtigen Monat zugeordnet werden, kannst Du unten in der BWA wirklich ablesen, ob und wieviel Gewinn Du im letzten Monat erwirtschaftet hast. Andernfalls hast Du halt eine Zahl. Aber bitte triff keine Geschäftsentscheidungen auf Basis dieser Zahl.

Die BWA als Quelle Deines nachhaltigen Geschäftserfolgs. Ja, das ist auch bei Dir möglich. Gerne gebe ich Dir die notwendigen Tipps & Tools. Aber lass uns zunächst schauen, wo Du genau stehst. Okay - Klar ist KOSTENLOS?

Nur wenn alle Positionen dem richtigen Monat zugeordnet werden, kannst Du unten in der BWA wirklich ablesen, ob und wieviel Gewinn Du im letzten Monat erwirtschaftet hast. Andernfalls hast Du halt eine Zahl. Aber bitte triff keine Geschäftsentscheidungen auf Basis dieser Zahl.

Das ist logisch, oder?

Also, was kann und läuft immer mal wieder Schief?

Sachkosten werden nicht / doppelt erfasst
Nimm zum Beispiel die Miete für Deine Büroräume. Das ist jeden Monat immer derselbe Betrag. So simpel dieses Beispiel auch klingt, ich habe es mehrfach gesehen. Obwohl dies eine regelmäßig anfallende Zahlung ist, hat diese Position in der BWA gefehlt – oder sie war doppelt erfasst.

Die Miete darfst Du hierbei auch als ein Beispiel sehen. Praktisch bei allen Sachkosten kann dieser Effekt auftreten. Manchmal auch einfach, weil am letzten Kalendertag des Monats überwiesen wurde, aber die Wertstellung durch die Bank erst im Folgemonat erfolgte. Das hatten wir ja weiter oben, bei dem Zu-& Abflussprinzip schon.

Das führt dann dazu, dass im einen Monat keine Mietzahlung enthalten sind und im nächsten Monat dann doppelt.

Die Lösung:
Es gibt eine buchhalterisch saubere, wenn auch aufwendige Lösung. Die würde Dich an dieser Stelle aber eher verwirren als helfen. Deshalb ganz pragmatisch:

Schreib‘ alle regelmäßigen Zahlungen, also wo zum Beispiel ein Vertrag zu Grunde liegt, in eine Excel-Tabelle. So viele sind das nicht. Dann hast Du eine Übersicht, welche Positionen auf jeden Fall in Deiner BWA enthalten sein sollen.

Diese Übersicht gibst Du Deinem Steuerberater und bittest ihn, dass er diese Beträge auf jeden Fall in Deiner BWA berücksichtigt.

Abschreibungen nur einmal pro Jahr gebucht
Wenn Du eine zum Beispiel eine neue Maschine kaufst oder ein neues Gebäude, dann erhöhst Du damit das Vermögen Deines Unternehmens. In der Bilanz werden solche langfristig genutzten Vermögensgegenstände als Anlagevermögen bezeichnet.

Auch wenn Du zum Beispiel als Selbständiger (noch) gar keine Bilanz aufstellen musst und Du als solcher keine Gebäude oder Maschinen kaufst, ist dieser Punkt für Dich relevant. Denn wenn Du Dir zum Beispiel ein neues MacBook holst, dann gilt dieses ebenfalls als Anlagevermögen und das möchtest auf folgendes achten: 

In der Finanzbuchhaltung wird davon ausgegangen, dass der Wert Deiner Vermögensgegenstände nicht stabil bleibt. Im Rahmen der Nutzung des Vermögensgegenstandes vermindert sich auch der Wert.

Damit in Deiner Bilanz immer ein marktgerechter Wert Deines Vermögens ausgewiesen wird, soll der Vermögensgegenstand über die Nutzungsdauer angepasst werden. Dafür werden Abschreibungen gebucht.

Die Nutzungsdauer wird in Jahren bemessen. Vielleicht ist das auch der Grund, weshalb es auch heute noch (wenn auch seltener als früher) immer mal wieder vorkommt, dass die Abschreibung nur einmal pro Jahr als Summe gebucht wird. Somit ist der vollständige Betrag im Jahresabschluss enthalten und für Deinen Steuerberater alles gut.

Das Problem daran: Die unterjährigen Monatsergebnisse fallen deutlich zu gut aus. Schnell kommen hier mehrere Tausend Euro zusammen, die in Deinem Monatsergebnis einfach fehlen.

Die Lösung:
Fordere Deinen Steuerberater auf die Abschreibungen monatlich zu buchen. Dazu wird die Nutzungsdauer von Jahren in Monate umgerechnet und schon hat man den Monatsbetrag in EUR.

Einmalzahlungen werden nicht abgegrenzt
Je nachdem was für ein Unternehmen Du führst, werden unterschiedliche Einmalzahlung bei Dir relevant sein. Als Einmalzahlung kommt das Weihnachts- & Urlaubsgeld genauso in Betracht, wie Vorauszahlungen für Versicherungen etc.


Werden diese Zahlungen auch nur dann aufwandswirksam in Deiner BWA erfasst, wenn die Zahlung erfolgt, so wird Dein Monatsergebnis wieder deutlich verfälscht und könnte Dich zu falschen Rückschlüssen verleiten.

Die Lösung:
Für Zahlungen, die nur einmal im Jahr oder pro Quartal anfallen kann Dein Steuerberater Rückstellungen bilden. Dabei nimmt er den Zahlbetrag teilt ihn durch die Anzahl der dem Zahlbetrag entsprechenden Monate und bucht diesen Teilbetrag dann Monat für Monat in Deine BWA.

Beispiel:
Du bezahlst für Strom pro Jahr 1.200 EUR. Damit Du einen kleinen Abschlag erhältst, zahlst Du im Januar den gesamten Jahreswert an Deinen Stromlieferanten.


Lass uns diesen Dritten Punkt noch einmal an einem Beispiel durchgehen:
Du bezahlst für Strom pro Jahr 1.200 EUR. Damit Du einen kleinen Abschlag erhältst, zahlst Du im Januar den gesamten Jahreswert an Deinen Stromlieferanten.

Ohne eine Rückstellung zu bilden, würde Deine BWA so aussehen:

BWA ohne Berücksichtigung von Rückstellungen

Wenn Dein Steuerberater aber eine Rückstellung berücksichtigt, dann rechnet er:

1.200 EUR / 12 Monate = 100 EUR

Diese 100 EUR bucht er dann jeden Monat in Deine BWA. Schließlich verbrauchst Du ja auch jeden Monat den Strom – und nicht nur im Januar. Deine richtigere BWA sieht dann so aus:

BWA bei Buchung von RücA

Du siehst, es macht Sinn, dass Du monatlich Deine BWA durchgehst.

Nur so kannst Du sicherstellen, dass wirklich alle Kosten und Erlöse erfasst und den Monaten richtig zugeordnet werden. So wird aus Deiner BWA, dann auch eine wirklich wertvolle Informationsquelle, die Du zur Steuerung Deines Business nutzen kannst Viele sprechen dann von einer "qualifizierten BWA", auf dessen Basis Du zum Beispiel auch Kennzahlen sinnvoll berechnen kannst.

Hast Du vielleicht auch schon solche oder ähnliche Fehler in Deiner BWA gefunden? Schreib doch einfach einen Kommentar und ergänze meine kleine Liste!

So arbeitest Du mit Deiner BWA, ohne viel Zeit zu verschwenden

Ok, jetzt haben wir also eine BWA vorliegen, deren Zahlen wir trauen können.

Super. Aber was machen wir jetzt damit?

ÜBRIGENS 
Auch hierzu gibt es eine passende Podcast-Episode:

Na klar, wir steigen tiefer in die Zahlen ein und hören zu, was uns unser Unternehmen über die BWA denn nun eigentlich erzählen möchte. Und das geht so:


1.

Die Zeitreihenanalyse

Bei der Zeitreihenanalyse vergleichst Du die monatliche Entwicklung jeder Zeile Deiner BWA.  Manchmal wir diese Zeitreihenanalyse auch - ACHTUNG FACHCHINESISCH - horizontale BWA-Analyse genannt.

Idealerweise nimmst Du dafür die letzten 12 Monate, mindestens jedoch die letzten 6. Dafür kannst Du Deinen STB bitten, Dir ab sofort eine solche Zeitreihe mitzuschicken oder - und das ist meine Empfehlung: Du legst Dir einmal eine kleine Excel Datei an und tippst jeden Monat die paar Zahlen aus Deiner BWA ab.


Dafür füllst Du die erste Spalte mit den Konten, die Du in Deiner BWA findest, also sowas wie Umsatz, Personalkosten, Miete etc. und in den Spalten daneben gibst Du jeweils Deine Monatsdaten ein. Weiter oben hast Du ja den typischen Aufbau einer BWA kennengelernt.


Du nimmst also jeden Monat einfach immer dieselbe Datei und ergänzt sie um die neuen Werte. Klar, im ersten Schritt bedeutet, dass etwas mehr Arbeit, aber die zahlt sich locker aus. Außerdem reden wir hier von wenigen Minuten, die Du investieren möchtest und die sind Dir Deine Zahlen doch wert....


Jedenfalls gehst Du dann jede Zeile durch und prüfst, ob es Auffälligkeiten, besondere Ausschläge oder vielleicht sogar leere Zeilen gibt, die eigentlich gefüllt sein sollten.


Und dann kommt die entscheidende Frage: WARUM ist das so? Hast Du die Story hinter dieser Zahlenentwicklung parat? Eine kluge Idee wäre es, wenn Du diese „Story“ als Kurzkommentar (meist reicht schon ein Stichwort) in dieser kleinen Excel-Datei notierst. So Kannst Du Dich auch in 3 Jahren noch an diese Story erinnern….


Auf diese Weise entgeht Dir auf keinen Fall, wenn der Ergebnisausweis in Deiner BWA "irreführend" sein könnte

2.

Die Verhältnisanalyse

Bei der Verhältnisanalyse schaust Du Dir an, wie die einzelnen BWA-Zeilen zueinander im Verhältnis stehen. Die Fachchinesen reden hier übrigens konsequenterweise von der vertikalen BWA-Analyse!


Dabei möchtest Du Dir auf jeden Fall anschauen:

  • Verhältnis: Gewinn / Rohertrag Zielgröße: mind. 10%
  • Verhältnis: Personalkosten / Rohertrag: Zielgröße: max. 40%
  • Verhältnis: Gesamtkosten / Rohertrag: Zielgröße: max. 60%

Zusätzlich: Verhältnis der 3 Top-Kostenpositionen in Deinem Unternehmen im Verhältnis zum Rohertrag oder den Gesamtkosten.

Besonders smart ist es übrigens, wenn Du die Zeitreihenanalyse mit der Verhältnisanalyse kombinierst. So beantwortest Du Dir die Frage, wie sich die die Verhältnisse in Deinem Unternehmen in den letzten Monaten verändert haben.


Und wenn Du Dir die Mühe mit der Excel-Datei für Deine monatliche BWA machst, dann kannst Du diese Verhältnis-Kennzahlen einmal per Formel unter die Monatsspalten bauen und kopierst die Formeln jeden Monat weiter.


Abschließend kommt der wichtigste Part der Verhältnisanalyse. Du ahnst es: Erkenne, die Story hinter den Verhältnissen. Warum sind diese so? Welche Deiner Entscheidungen haben dazu geführt, dass sich die Verhältnisse so verändert haben? Welche Alternativen hätte es gegeben? Würdest Du dieselbe Entscheidung erneut treffen? Warum nicht? Möchtest Du JETZT sofort eine Veränderung entscheiden?


Du siehst, eine BWA-Analyse kann und sollte ganz schön tief gehen - und so wird sie Dir ganz viele Erkenntnisse bringen, die Du sonst nicht hättest nutzen können.

3.

Der Plan-QuickCHECK

Abschließend wirst Du noch einen Finanzplan und vergleichst Deine Analyseergebnisse aus Schritt 1 und 2 mit den Planwerten.


Auch hier ist die inhaltliche Analyse, the story behind, der eigentliche Clou. Es geht nach meiner Überzeugung bei einem Finanzplan sowieso primär nicht darum, die Zukunft exakt vorauszusagen. Es kommt darauf an gute Annahmen und Entscheidungen zu treffen, die Du dann  später genau analysieren kannst - um wieder daraus zu lernen und in Zukunft bessere Annahmen und Entscheidungen treffen zu können.

Ja, das ist Arbeit.

Ja, das braucht am Anfang auch Zeit.

Ja, es ist viel leichter, als Du bisher vermutlich geglaubt hast.

… und es ist der Grundstein für ein wirklich nachhaltig erfolgreiches Geschäftsmodell. Nur so bist Du in der Lage ein Unternehmen aufzubauen, dass wirklich gesund und auch mal eine Krise übersteht und nennenswerte Substanz abbauen zu müssen.

bleib' erfolgreich!

Joerg Roos

Joerg übersetzt für kleine Unternehmen das Buchhaltungs-Fachchinesisch in einfache deutsche Sprache, damit wirklich jeder sein Business auf Gewinn programmieren kann - auch wenn Du bisher keine Ahnung von BWL & Buchhaltung hast.

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