Business ist wie Wellenreiten: Ein Interview mit Jens Emrich von Kajdacsy

Business ist wie Wellenreiten: Ein Interview mit Jens Emrich von Kajdacsy

Zu meinem ersten Interview darf ich Jens Emrich von Kajdacsy begrüßen. Er ist Projektmanager, systemischer Coach, Meeresliebhaber und ein wahnsinnig toller Mensch. Er liebt das Meer, er liebt die Wellen. Jens bringt ​sehr viel Erfahrung als Projektmanager mit, wobei seine Branchen breit gefächert sind. Er hilft seinen Kunden als systemischer Coach dabei, ihre Projekte richtig nach vorne zu bringen. Dabei denkt er ein bisschen quer und das mit unheimlich viel Empathie und einem großen, großen Fachwissen.

Ich habe ihn im Rahmen einer meiner Weiterbildungsveranstaltungen kennengelernt und ​haben uns dort ganz spontan hingesetzt und ein kurzes Interview aufgenommen. Dabei haben wir uns über unterschiedliche Dinge, natürlich auch über seinen Umgang und seine Einstellung zum Thema Zahlen unterhalten.

​Los geht's!

​Interview mit Jens Emrich von Kajdacsy

​Jörg: Ja, lieber Jens. Herzlich willkommen. Magst du dich vielleicht mal zuerst vorstellen? Wer bist du und was machst du?

Jens: Ja, sehr gerne. Mein Name ist Jens Emrich von Kajdacsy. Ich bin selbstständiger Projektmanager und Coach und das Ganze mache ich jetzt selbständig seit Mitte 2015. Das heißt, ich bin jetzt ein bisschen mehr als 3 Jahre am Markt als Selbständiger unterwegs und finde es sehr spannend.


Jörg: Welches Verhältnis hast du zu Zahlen und Finanzdaten? Ist das eher so, ja, ich weiß, ist superwichtig und kümmere ich mich auch drum, oder bist du eher die Fraktion, macht mein Steuerberater und der wird sich schon melden, wenn was ist?

Jens: Ich glaube, ich bin da eher ​eine Mixtur und ich habe da auch den ein oder anderen Weg hinter mich gebracht. Ich habe begonnen damit, dass ich, als ich 2015 die Entscheidung getroffen habe, mich selbstständig zu machen, mir auch ganz klar gesagt habe, ich will immer den Überblick über meine Finanzen haben.

Jörg: Ja, sehr löblich.

Jens: Dann habe ich mir erstmal einen Riesenwälzer über BWL gekauft. Ich glaube ein Standardwerk, mir fällt der Name schon nicht mehr ein. Insofern habe ich anscheinend einen neuen Weg eingeschlagen und das ist auch gut so. In der Tat habe ich das einem Steuerberater übergeben. Es hat sich getroffen, dass meine Frau auch selbstständig ist und ich dann denselben Steuerberater gewählt habe und mich mit ihm zusammengesetzt habe, ob er das übernehmen würde. Ich habe aber trotzdem das Bedürfnis über meine Zahlen, meine Rechnungen, also über meine Finanzen auch einen entsprechenden Überblick zu haben. Insofern führe ich für mich selber eine Übersicht über meine Rechnungen und über meine Ausgaben. Das ist für mich nochmal so ein kleines Sicherheitsgefühl, aber in der Tat macht eigentlich alles mein Steuerberater und das ist für mich jetzt der einfachere Weg.

Jörg: Du sagst, du führst nochmal selber Buch über deine Rechnungen, die du deinen Kunden stellst und Ausgaben. Was erhältst du dann von deinem Steuerberater? Gleichst du das irgendwie ab?

Jens: Nein, in der Tat tue ich das nicht.

Jörg: Okay, warum?

Jens: Weil ich das, was ich von meinem Steuerberater bekomme, nicht in der Tiefe durchdringe, wie ich es eigentlich müsste. Ich habe schon das ein oder andere Gespräch mit ihm geführt, aber ich habe, das muss ich auch dazu sagen, einfach, beim Thema Finanzen zwei linke Hände. Ich hatte noch nie das Bedürfnis verspürt in BWL wirklich tief einzusteigen, weil ich einfach schon an den leichtesten Hürden gescheitert bin. Ich möchte mich auf mein Kerngeschäft konzentrieren, auf das, was ich als Werte verspreche und meinen Kunden Produkten bieten. Ich möchte mich eigentlich nicht in der Tiefe mit Berichten von Steuerberatern, dem Finanzamt etc. auseinandersetzen. Das ist mein Bedürfnis.


Jörg: Und wie gehst du mit dieser Unsicherheit um? Lass uns mal einen hypothetischen Fall nehmen: In Amerika fliegt wieder in irgendwelche Türme ein Flugzeug rein und die gesamte Weltwirtschaft bricht zusammen. Dein Umsatz bricht um 80 bis 90 Prozent ein für einen Zeitraum von mehreren Monaten. Wie lange könntest du dein Business treiben? Ist das eine Zahl, die du liefern relativ schnell liefern könntest?

Jens: Ja, das könnte ich auf jeden Fall, weil ich schon weiß, wie meine Finanzlage grundsätzlich ist. Ich habe einen sehr guten Überblick über meine Vermögenswerte, über meine Versicherungen etc. Das habe, weil ich auf einen starken Finanzdienstleister, auf einen Finanzberater bauen kann, der mir dort auch die entsprechende Transparenz bietet und ich auch ganz genau weiß, was sich eben auch auf meinem Konto bewegt. Wenn ich sage, ich brauche einen gewissen Satz, oder eine gewisse Summe, um eine gewisse Zeit auch überbrücken zu können. Aktuell kann ich dazu sagen, könnte ich auch 12 Monate ohne Probleme überleben. Aber in der Tat ist es so, dass ich mir immer wieder dort die Transparenz geben muss und will. Es ist aber auch so, dass ich das auch ein Stück weit aus dem Bauch heraustue, weil ich weiß, was ich und meine Familie zum Leben benötigen.

Jörg: Ich bin ja sowieso ein großer Verfechter davon Kopf und Bauch irgendwie in Einklang zu bringen und beides zu benutzen. Ich bin auch kein Freund davon zu sagen, Mensch, Zahlen rein kopfgesteuert und Bauchgefühl brauchen wir nicht, insofern finde ich das ganz gut. Jetzt hast du aber auch gesagt, du kommst mit Finanzen an sich als Thema ja nicht so gut klar. Ist jetzt nicht so deins, du weißt aber, dass es für dich wichtig ist. Jetzt würde mich interessieren, wenn du nur Eingangs- und Ausgangsrechnungen hast, wie näherst du dich denn deinem Thema, um eine solche Aussage, 12 Monate kannst du immer überleben, dann eben zu erarbeiten? Es ist ja dann eigentlich ein wahnsinniger Einmalaufwand, oder?

Jens: Ja, natürlich ist es das. Das eine ist, dass ich das nachhalte in einer, wie es so viele wahrscheinlich machen, Excel-Tabelle.

Jörg: Das ist nicht das Schlechteste.

Jens: Die einen sagen so, die anderen so, aber in der Tat ist es so, dass es das Medium ist, mit dem ich in dieser Richtung noch umgehen kann. Ich habe auch schon verschiedenen Steuersoftwares probiert, aber da habe ich dann auch irgendwann die Finger davon gelassen, weil Pflegeaufwand und der Einarbeitungsaufwand für mich einfach auch schon zu groß war. Das zweite ist, dass ich wie gesagt immer einen aktuellen Blick auf meine Kontodaten habe, Kreditkarte, Geschäftskonto, Privatkonto. Insofern kann ich das relativ gut abgleichen. Und für mich selber schaue ich immer auch, was geben wir denn als Familie aus, was gebe ich für mein Unternehmen aus. Das heißt also auch über die Ausgangs- oder Eingangsrechnungen habe ich einen relativ guten Blick drüber. Aber ich habe es wie gesagt nur, weil ich es in einer Excel-Tabelle nochmal doppelt und dreifach habe.

Jörg: Das ist ja auch okay. Da kommt natürlich so ein bisschen das Controllerherz durch, ist ja keine Frage. Grundsätzlich ist es ja so und vielleicht hast du das schonmal gehört: Wir schaffen uns ja Vermögensgegenstände an, sei das jetzt ein Computer oder irgendwie ein Büro, oder was sind so typische Dinge, die du für dein Business brauchst, um dein Business betreiben zu können, die du gekauft hast? Was ist das?

Jens: Erstmal einen Firmenwagen.

Jörg: Ja gut, einen Firmenwagen.

Jens: Einen Firmenwagen, dann habe ich Büromöbel, dann habe ich im Endeffekt auch Ausgaben für meinen Büroraum, Hardware, Laptop etc..

Jörg: Okay, genau. Nehmen wir die mal - die Sachen hast du dir gekauft, das ist so das Vermögen, was du hast. Und was ist der Sinn dieses Vermögens? Das ist ja eigentlich Umsatz generieren zu können.

Jens: Ja, in der Tat.

Jörg: Und die Umsätze sollen dann ja wieder Gewinne erwirtschaften. Nur von den Gewinnen alleine hast du ja nichts, weil davon kannst du dir nichts kaufen, das kannst du nur vom Konto. Da sagst du jetzt eben, okay, ich gucke auf mein Konto, das habe ich voll im Blick, da ist alles cool.

Jetzt ist das aber, wenn man das mal rechnungswesenstechnisch betrachtet, ein geschlossenes System. Die Vermögensgegenstände hast du in der Bilanz drin, dann hast du eine BWA, oder eine GuV für deine Umsätze und für deine Gewinne und dann geht das Ganze auf die Kontoseite, Liquidität und da ist jetzt so ein bisschen das Problem. Die Liquidität kann sich aus unterschiedlichen Quellen zusammensetzen. Das kann auf der einen Seite das operative Geschäft sein, also deinem Geschäft geht es gut, das kann aber auch sein, weil du irgendwie Finanzierungstätigkeiten hast. Du kannst einen Kredit aufnehmen, oder ihn zurückgezahlt haben für einen Firmenwagen beispielsweise, oder auch Investments. Vielleicht Beteiligungen oder Aktien, irgendwie allgemein solche Geschichten. Das beeinflusst ja alles deine Liquidität irgendwo.

Und die These, die ich immer aufstelle, ist, dein Business ist am Ende nur dann wirklich gesund, wenn dieser geschlossene Kreislauf wirklich funktioniert und aus deinen gekauften Vermögensgegenständen eben mehr Umsätze generiert werden, die auch bitte zu hohen Gewinnen führen und der operative Cashflow, der sollte auch mindestens in der Höhe von deinem Gewinn sein.

Eine Art Früherkennungssystem da auch drin zu haben, wenn da irgendwie was aus der Box rausläuft. Dann siehst du sehr frühzeitig, irgendwas, irgendeine Stellschraube ist hier, mein Unternehmensrädchen dreht sich nicht mehr ganz rund. Ist das ein Modell, mit dem du irgendwas anfangen kannst? Hast du so schon mal drüber nachgedacht?

Jens: Absolut, weil wie gesagt, mein Steuerberater hat im Moment die Finanzen auch im Blick. Ich habe aber eher das Gefühl, dass er einfach nur die Belege sammelt, dass er die irgendwie reintippt in irgendein System und das hat sich für mich schon gezeigt als ich von ihm einfach auch mal Beratung erwartet habe. Bin ich denn richtig unterwegs? Kann ich das denn jetzt überhaupt absetzen? Und er mir gesagt hat, ja natürlich, wenn du das verargumentieren kannst. Und da habe ich mir gedacht, mein Steuerberater, der müsste mir doch sagen können, ja, kannst du absetzen, klar, logisch, macht Sinn. Der kann das bis zu einem gewissen Punkt, aber verargumentieren muss ich es nachher, wenn eine Betriebsprüfung kommt, das hat er mir so gesagt. Jetzt habe ich eine andere Erwartungshaltung an eine Beratung im Finanzbereich und das kann mir mein Steuerberater in der Tiefe nicht bieten, geschweige denn, dass er es bisher fertiggebracht hat mir auf einfache Art und Weise zu erklären, wie mein Finanzsystem funktioniert. Insofern wäre das für mich natürlich absolut ein Modell, was ich mir vorstellen könnte und was ich gerne tun würde.

Jörg: Ja cool. Können wir gerne bei Gelegenheit mal machen.

Jens:Sehr gerne.

Jörg: Jetzt habe ich relativ viele Hörer dabei, die ziemlich am Anfang stehen mit ihrem Business, die vielleicht so ein Jahr dabei sind. Ich weiß von dir, dass du auch viel Berufserfahrung und Lebenserfahrung schon in deine Selbständigkeit einbringst. Du bist jetzt seit 3 Jahren selbstständig. Aber ein bisschen kennen wir uns ja jetzt auch, da ist ja schon viel Substanz dahinter letzten Endes und du hast ja einiges an Erfahrung aufgebaut. Deswegen die Frage, wie oder was würdest du einem jungen Selbständigen empfehlen, wie er mit seinen Zahlen von Anfang an umzugehen hat? Was sind deine Key-Learnings?

Jens: Suche dir auf jeden Fall einen starken Partner im Finanzdienstleistungsberatungssektor - gehen in deinem Netzwerk auf die Suche. Das habe ich getan. Ich habe das Glück, muss ich dazu sagen, dass ein guter Freund von mir eben diesen Part übernehmen konnte. Für den Anfang, um zumindest die Sicherheit zu haben, macht es durchaus Sinn sich mit einem Steuerberater zusammenzusetzen, der erst einmal diese Finanzseite mitübernimmt. Denn es ist ganz wichtig, dass man sich am Anfang der Selbstständigkeit erstmal auf sein Kerngeschäft fokussiert. Und zukünftig und das hat sich ja bei mir bewahrheitet, wird das umso wichtiger. Da sage ich auch, macht es durchaus Sinn auch den einen oder anderen Euro zu investieren, weil die Opportunitätskosten alleine, die ich investieren musste, um Excel Sheets zu pflegen, um zu verstehen, was mein Steuerberater da so treibt, die sind immens. Und all die Zeit, die ich da nicht reinstecken kann, oder die ich da reinstecke, die kann ich nicht in meine Projekte stecken. Insofern sage ich, fokussiere dich auf dein Kerngeschäft und suche dir die Experten, die dir genau diese Themen abnehmen und dich quasi an diesen Wundrändern heilen. Das macht absolut Sinn und das kann ich auch jedem nur empfehlen, sich da frühzeitig auch zu positionieren in seiner Marke, sich selber zu positionieren und zu positionieren dahingehend, dass eben Experten diese Themen übernehmen.

Jörg: Dieser Experte kann tatsächlich auch sehr gut ein Steuerberater sein. Ich kenne auch Fälle, wo es tatsächlich ein Steuerberater gut übernimmt. Es ist auch häufig eine Frage der Beauftragung, muss man auch ganz klar sagen.

Jens: Ja.

Jörg: In der Regel ist es ja so, dass ein Steuerberater für die Erstellung des Jahresabschlusses beauftragt wird und natürlich kann man auch eine Beratung beauftragen. Das kann man auch über andere externe Experten machen. Und wenn man viel Lust hat, kann man auch Kerle wie mich ansprechen, keine Frage, aber das soll hier keine Werbeveranstaltung für mich werden. Aber ich finde diesen Punkt sehr valide, weil ich das auch immer sage, deswegen freue ich mich. Das war jetzt nicht abgesprochen, dass du das so sagst.

Jens: Die blanke Wahrheit - das ist genau der Punkt. Und ich denke, was auch nochmal ganz wichtig ist. Ich bin zum Beispiel Einzelunternehmer und es kommt natürlich auch auf die Organisationsform an, die ich gewählt habe und das kann beliebig komplex werden, wenn ich mich in einer kleinen GmbH, in eine GmbH oder whatever dann mal organisiere. Und da macht es durchaus Sinn dann wirklich auf den Expertenstatus zurückzugreifen, aber auch als Einzelunternehmer kann ich nur diesen Tipp geben.

Jörg: Cool. Ja, da waren viele spannende Aspekte dabei. Lieber Jens, ich danke dir herzlich für dieses Interview. Mir hat es Riesenspaß gemacht! Wo können wir dich erreichen, wenn wir vielleicht noch eine Frage haben, oder mit dir arbeiten möchten.

Jens: Also erstmal vielen Dank auch an dich Jörg, dafür dass ich da einfach die Gelegenheit hatte mit dir darüber zu sprechen. Das hat mir auch geholfen. Das zweite ist, ich bin in den sozialen Netzwerken auf jeden Fall erreichbar, XING, LinkedIn, Facebook​ und ich habe auch eine Webseite. Dort sind meine Kontaktdaten zu finden und jederzeit gerne, wenn ihr Fragen habt, einfach melden.

Jörg: Klar. Alle Links zu dir packen wir natürlich​ rein, sodass das dann auch supereinfach ist zu dir zu kommen.

Jens: Perfekt!

Jörg: Lieber Jens, vielen, vielen Dank! Bis demnächst.

Jens: Dito.


​Links zu Jens

Wenn Dir der Artikel gefällt, dann teile ihn doch mit Deinem Netzwerk:

YouTube aktivieren?

Auf dieser Seite gibt es mind. ein YouTube Video. Cookies für diese Website wurden abgelehnt. Dadurch können keine YouTube Videos mehr angezeigt werden, weil YouTube ohne Cookies und Tracking Mechanismen nicht funktioniert. Willst du YouTube dennoch freischalten?

>
Soll ich Dir zeigen, wie Du Schritt für Schritt Deine Zahlen in den Griff bekommst?