Die Bilanzanalyse für Unternehmer – ohne theoretischen Firlefanz!
Bilanz

Die Bilanzanalyse für Unternehmer – ohne theoretischen Firlefanz!

Manchmal habe ich den Eindruck, dass die Bilanz so etwas, wie das rote Tuch des Unternehmers ist. Viele Unternehmer entschuldigen ihr Desinteresse an der Bilanz damit, dass sie diese nicht „lesen“ können. Natürlich können sie die Worte lesen, aber die Bedeutung dieser Worte und was die Zahlen dahinter wirklich zu bedeuten haben, das verstehen viele Unternehmer nicht.

Oder wollen diese Unternehmer die Bilanz einfach nicht verstehen?

Wie sieht es mit Dir aus? Kannst Du etwas Unterstützung bei der „Analyse“ der eigenen Bilanz vertragen?

Gut, dann kümmern wir uns jetzt darum. Legen wir los.

Welches Unternehmen muss überhaupt eine Bilanz aufstellen?

Du musst für Dein Unternehmen eine Bilanz aufstellen, wenn Du Dein Unternehmen als OHG, GmbH, AG oder KG im Handelsregister eingetragen hast. Dann giltst Du als Kaufmann.

Oder wenn Du mit Deinem Business mindestens einen Umsatz von mehr als 500.000 EUR oder einen Gewinn von mindestens 50.000 EUR erwirtschaftest. Das ist die Schwelle wo sowohl für Einzelkaufleute als auch für Nicht-Kaufleute die sog. doppelte Buchhaltungspflicht beginnt. Geregelt wird dies in der Abgabenordnung.

Sollte keine dieser Punkte auf Dein Unternehmen zutreffen, so darfst Du zwar grundsätzlich auch eine Bilanz aufstellen, bist aber nur zu einer Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) verpflichtet.

Ok, spätestens jetzt weißt Du, dass Du (vermutlich) eigentlich nicht wirklich drum herum kommst, Dich mit Deiner Bilanz zu beschäftigen.

Und ich verspreche Dir, es wird so sein wie so oft. Einmal angefangen, ist es gar nicht so schwer.

Darum ist die Bilanz so wichtig

Mit der Bilanz liegt praktisch das kaufmännische Herz Deines Unternehmens auf Deinem Schreibtisch. Wenn Du Deine Bilanz wirklich verstehst, dann weißt Du auch, wie es um Dein Unternehmen bestellt ist. Mit der Bilanz kannst Du die aktuelle wirtschaftliche Situation Deines Unternehmens einschätzen und zukünftige Prognosen validieren.

Genau das machen nämlich auch Deine Bank, Dein Investor, Deine Lieferanten, Deine Kunden und auch andere Geschäftspartner, wenn sie Deine Bilanz in Augenschein nehmen können. Insbesondere wenn es darum geht zu beurteilen, wie es um die Bonität Deines Unternehmens bestellt ist, spielt die Bilanzanalyse eine ganz entscheidende Rolle.

Bilanzanalyse

Foto von: VIZAFOTO

Die Bilanzanalyse für Dich als Unternehmer

Es ist schon so, dass die Bilanzanalyse auch eine Wissenschaft für sich sein kann. Ich meine, es gibt nicht um sonst tausende von Analysten, die sich Tag ein Tag aus mit der Analyse von Bilanzen beschäftigen. Vermutlich kommen da auch die Vorbehalte vieler Unternehmer her.

Das was die professionellen Bilanzanalytiker so machen ist auch sicher ganz toll. Nur ist der Rückschluss schlicht falsch, dass Du als Unternehmer die Bilanzanalyse in derselben Tiefe angehen musst. Oder es gleich ganz sein lassen kannst.

Ich zeig Dir jetzt einen einfachen Weg, der aber sehr wertvolle Ergebnisse ans Tageslicht bringt

1. Strukturiere die Veränderungen

Grundsätzlich entwickelt sich die Bilanz ja jedes Jahr weiter. Es bleibt aber ein Rechenwerk, dass über die Jahre einfach fortgeschrieben wird (anders als die GuV, die ja jedes Geschäftsjahr bei Null beginnt). Um nun eine Aussage über die Entwicklung Deines Unternehmens zu erhalten, bieten sich zwei Varianten an:

  1. Stell eine Zeitreihe auf und schreibe die Entwicklung der Bilanzpositionen über die letzten 3-5 Jahre einfach nebeneinander. So erkennst Du sehr leicht, wie sich die einzelnen Bilanzpositionen verändern und stellst Trends fest
  2. Erstelle eine Bewegungsbilanz: Nimm als die Bilanzen zweier Stichtage und ermittele die Differenz zwischen den einzelnen Bilanzpositionen. Diese Differenzen/Veränderungen stehen dann in der Bewegungsbilanz. Dort siehst Du dann ebenfalls, welche Position sich wie verändert hat.

Welche Variante Du wählst ist grundsätzlich Dir überlassen. Ich neige dazu, gerne die Zeitreihe zu wählen, weil ich dann eben gleich mehrere Jahre direkt miteinander vergleichen kann. Das kann dann so aussehen:

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2. Analysiere die Veränderungen mit Kennzahlen

Jetzt setzt Du unter die Bilanz noch ein paar Kennzahlen, die Dir dann die Interpretation der einzelnen Bilanzpositionen vereinfacht. Auch hier gibt es wahnsinnig viel Auswahl. Aber ich habe Dir jetzt einfach mal die Kennzahlen raus gesucht, wo ich der Meinung bin, dass Du diese auf jeden Fall im Blick haben solltest. Außerdem sind diese Kennzahlen noch ganz gut greifbar und das ist mir für Dich als „Praktiker“ besonders wichtig.

 

Die Top 11 Kennzahlen der Bilanzanalyse für Praktiker

 

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Anlagenintensität = Anlagevermögen / Gesamtvermögen

Aussage: Je höher die Anlagenintensität, desto mehr Kapital steckt in langfristigen Investitionen / Anlagen. Und fehlt somit für den operativen Tagesbedarf. Aber natürlich sollte man nicht nur um der Kennzahl willen, so weit wie möglich auf Anlagevermögen verzichten. Anlagevermögen steht auch für Sicherheit!

 

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Umlaufvermögensintensität = Umlaufvermögen / Gesamtvermögen

Aussage: Das ist die korrespondierende Kennzahl zur Anlageintensität. Auch hier gilt es einen guten, branchenüblichen Mix anzuvisieren!

 

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Vorratsquote = Vorräte / Gesamtvermögen

Aussage: Zeigt den Anteil Deines Kapitals, der in den Vorräten (also im Bestand) gebunden ist. Je höher die Vorräte desto größer im allgemeinen die Gefahr von Sonderabschreibungen.

 

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Forderungsquote = Forderungen / Gesamtvermögen

Aussage: Die Forderungen sind ein wesentlicher Teil des Umlaufvermögens. Mit dieser Kennzahl bekommst Du den Einstieg in Dein Forderungsmanagement. Denn je mehr offene Forderungen (also von Kunden unbezahlte Rechnungen), desto größer die Gefahr, dass eine Forderung ausfällt und somit abgeschrieben werden muss.

 

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Anteil liquider Mittel = Liquide Mittel / Gesamtvermögen

Aussage: Cash is King. So zeigt diese Kennzahl eben wieviel Prozent des Gesamtvermögens direkt als flüssige/Liquide Mittel zur Verfügung steht. Je höher dieser Anteil, desto größer ist die vermutete Sicherheit, dass Dein Unternehmen gut wirtschaftet.

 

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Working Capital = Umlaufvermögen – kurzfristige Verbindlichkeiten

Aussage: Das Working Capital ist wohl eine der wichtigsten Kennzahlen. Hiermit schaust Du Dir an, wieviel Deines Kapitals für betriebliche Aufgaben, wie Einkauf & Produktion zur Verfügung steht. Es wird auch gern mal als „Netto-Umlaufvermögen“ bezeichnet.

 

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Working Capital Ratio = Umlaufvermögen / kurzfristige Verbindlichkeiten

Aussage: Keine wirklich andere Aussage, aber dennoch für mich eine wichtige Kennzahl, da Sie eben dasselbe Problem in Form einer relativen Kennzahl bearbeitet. Über diese fällt der Vergleich über mehrere Jahre leichter.

 

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Eigenkapitalquote = Eigenkapital / Gesamtkapital

Aussage: Die Eigenkapitalquote ist wohl sowas, wie der Klassiker unter den Kennzahlen. Je höher der Eigenkapitalanteil am Gesamtvermögen, desto gesünder ist das Unternehmen. Eine hohe Eigenkapitalquote ist immer eine gute Voraussetzung für einen Kredit oder ein neues Investment.

 

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Verschuldungsgrad = Fremdkapital / Gesamtkapital

Aussage: Der Verschuldungsgrad ist so ziemlich das Gegenteil zur Eigenkapitalquote. Je höher der Verschuldungsgrad ist, desto mehr Fremdkapital steckt im Unternehmen. Dies wiederum lässt zumindest nicht ad hoc auf ein wirklich “gesundes Unternehmen” und eine gute Unternehmenssteuerung schließen.

 

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Goldene Finanzierungsregel = langfristiges Vermögen / langfristiges Kapital

Aussage: Die goldene Finanzierungsregel (oder auch goldene Bankenregel) besagt, dass die dem Unternehmen zur Verfügung stehenden Mittel niemals kurzfristiger finanziert sein dürfen, als die Verwendung dieser Mittel. Das heißt, dass langfristig zur Verfügung stehendes Vermögen (Anlagevermögen) auch nur durch langfristig zur Verfügung stehendes Kapital (z.B. Eigenkapital, langfristige Verbindlichkeiten) finanziert sein darf. Analog gilt dies auch für das kurzfristig zur Verfügung stehende Vermögen. Dies nennt man Fristenkongruenz. Das Ergebnis bei langfristiger Betrachtung sollte <= 1 sein (bei kurzfristiger Betrachtung >= 1). Es müssen jedoch nicht beide „Tests“ gemacht werden. Ist eine Bedingung erfüllt, so ist automatisch auch die andere erfüllt.

 

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Goldene Bilanzregel = Eigenkapital / Anlagevermögen

Aussage: Nach der goldenen Bilanzregel zeichnet sich ein „gesundes“ Unternehmen u.a. dadurch aus, dass mindestens das gesamte Anlagevermögen durch das Eigenkapital gedeckt sein sollte.

 

Das sind die 11 Kennzahlen, die ich Dir ans Herz legen möchte. Wenn Du diese Kennzahlen im Blick hast, dann wird Dich auch Dein Investor und auch kein Banker mehr auf dem falschen Fuß erwischen, wenn sie mit Dir über Dein Unternehmen reden. So weißt Du bereits im Vorfeld Bescheid und kannst im Gespräch mit passenden Antworten glänzen.

Klingt das gut für Dich?

Schau mal, so könnte Dein Kennzahlenblock zum Beispiel aussehen:

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Wenn Du Dir den Einstieg in die Bilanzanalyse ganz einfach machen möchtest, dann kannst Du Dir hier jetzt ein kleines Excel-Tool kostenlos downloaden, aus dem auch die Screenshots kommen. Du brauchst nur noch Deine Bilanzdaten eingeben und dann errechnet Dir das Tool automatisch die Kennzahlen. Einfacher geht es nicht, oder?

Jetzt würde ich gerne mit Dir in die Diskussion kommen. Schreib einen Kommentar unter diesen Artikel und erzähl mir von Deinen Erfahrungen mit der Bilanzanalyse oder auch der Excel-Lösung hier. Ich freue mich darauf!

Ich wünsche Dir eine tolle Woche, in der Du erneut nicht vergisst:

Erst ein 5-Sterne Controlling macht Dein Business richtig erfolgreich!

Unterschrift

 

 

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